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Das hinterhältige Frantic-Spiel und seine Sogwirkung

Frantic Kartenstapel auf dem Tisch
Wem eine «Nice try»-Karte gelegt wird, muss nochmals drei Spielkarten zücken – obwohl er sich schon als Sieger gewähnt hat.

Ein verlängertes Wanderwochenende stand bevor und unsere 8er-Gruppe war ein bunter Mix aus Leuten, die sich schon kannten oder eben auch nicht. Der erste Tag war heiss, der Schweiss tropfte und umso froher waren wir, am Abend unsere erste Destination zu erreichen: die Rotstockhütte am Fusse des Schilthorns im Berner Oberland. Nach dem wohlverdienten Abendessen wollten wir nicht schon in den Schlafsack kriechen. Aber was tun, 2‘039 Meter über dem Meer und ohne Unterhaltung aus dem Flimmerkasten? Da zauberte jemand besagte schwarze Schachtel hervor: das Frantic Kartenspiel. Ein bösartiges Uno, bei dem es gilt, möglichst schnell alle Karten loszuwerden – wenn da nicht die fiesen Mitspieler wären, die einem alles zunichtemachen können. Und so nahm es seinen Lauf. Wir spielten, lachten und lernten uns immer besser kennen. Böse Zungen mögen behaupten, die fiesen Adern gewisser Leute kämen erst hier vollkommen zur Geltung. So machte ich schon einen Freudenschrei, als ich meine letzte Karte ablegte. Aber von wegen, genauso schnell gelegt war die Spezialkarte «Nice Try» und ich musste nochmals drei Spielkarten zücken.

Ein Geschenk ist nicht immer gut

Aufgepasst, wenn Ihnen einer Ihrer Mitspieler ein «Gift» macht, dann gibt er Ihnen nämlich zwei seiner Karten ab. Jemand legt die Karte «Fantastic Four»? Nicht so fantastisch für den Rest der Gruppe, denn der Urheber kann selbst bestimmen, wer vier Karten vom Stapel ziehen muss. Die vier Karten kann er jedoch auch unter mehreren Spielern beliebig aufteilen. In diesen Momenten liebte ich es, die Karte «Counterattack» zu zücken, denn mit dieser konnte ich einen solchen Angriff gekonnt abwehren und selbst den Angriff starten. Wie heisst es so schön: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Das klingt ja alles noch schön und gut, wenn da nur diese verflixte «Fuck You»-Karte nicht wäre. Diese allein zählt nämlich schon 42 Punkte. Also eher ungünstig, wenn Sie diese noch in den Händen halten, wenn der erste Spieler alle Karten losgeworden ist und die Punkte gezählt werden. Zum guten Glück gibt es da aber noch die Ereigniskarten, die unsere Truppe stets mit einem lauten «Uuuh» begrüsste – können sie doch das ganze Spiel ordentlich auf den Kopf stellen. Bei «Robin Hood» beispielsweise musste derjenige unter uns mit den wenigsten Karten mit dem Spieler mit den meisten Karten tauschen. Bei «Finish Line» hingegen war unser Spiel sofort beendet. Mit diesem Material für hitzige Diskussionen und erste Verfeindschaftungen verging der erste Abend wie im Nu.

Das Frantic-Spiel entstand ebenfalls auf einer Wanderung

Frantic Karten in der Hand
Wer eine «Fantastic Four» legt, kann sich zurücklehnen und zuschauen, wie die anderen Karten aufnehmen.

Der zweite Wandertag brach an. Mit mehr Regen als gewünscht, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Die vorabendliche Spielerunde war zwar auf dem Tisch beendet, wollte aber nicht so recht aus unseren Köpfen. Sätze wie «Jaja, dir zeig ich es heute Abend dann bei Frantic» und «Immer alle gegen mich» fielen des Öfteren. Und hach, wie schön wäre es, auch im echten Leben mal eine «Counterattack»- oder eine «Nice Try»-Karte zücken zu können, philosophierten wir. Klar, dass wir uns auch am zweiten Abend voll und ganz dem Spiel «Frantic» widmeten. Dieses entstand 2011 aus einer Notsituation heraus, wie Radio SRF Virus berichtete. Drei Freunde hatten ihre Spielkarten verloren und kreierten ganz einfach ihre eigenen – auch auf einer Wanderung. Unsere Wandergruppe trifft sich übrigens demnächst wieder: Zu einer Runde Frantic, versteht sich.