interview
02.April 2009
Paul Potts wurde vor knapp 2 Jahren weltberühmt durch den Gewinn der Casting-Show "Britain's Got Talent". Nach dem grossen Chart-Erfolg seines Debut-Albums folgt nun das neue Album "Passione". Wir haben ihn zum Interview in Zürich getroffen.
hitparade.ch: Es ist nun zwei Jahre her, seit deinem alles verändernden Auftritt bei Britain's Got Talent. Inwiefern hat sich dein Leben genau verändert?
Paul Potts: Jetzt kann ich tun, was ich gerne mache und werde dafür bezahlt. Natürlich verkaufte ich auch gerne Handys, aber ich tat es auf meine eigene Art. Ich war wohl nicht der typische Verkäufer.
hitparade.ch: Bei unserem letzten Interview vor einem Jahr, sagtest du, ein Duett mit Leona Lewis wäre ein Traum von dir. Hattest du inzwischen die Möglichkeit, sie zu treffen und ihr die Idee schmackhaft zu machen?
Paul Potts: Vor ein paar Monaten traten wir in der gleichen Show auf, aber wir sind uns dort nicht bege
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gnet. Ich hoffe, es klappt ein anderes Mal, an einem anderen Ort.
hitparade.ch: Mit deinem ersten Album erreichtest du Platz eins in 15 Ländern. Was erhoffst du dir diesbezüglich von deinem kommenden Album "Passione"?
Paul Potts: Ich habe keine speziellen Erwartungen, sondern hoffe einfach, dass es so gut wie eben möglich bei den Leuten ankommt. Wenn man zu viele Erwartungen hat, wird man schnell enttäuscht, das mag ich nicht. "Passione" ist mein neues Album, ich mag es sehr, weil ich viel mehr in die Produktion einbezogen wurde. Bei der ersten CD ging alles total schnell!
hitparade.ch: Wie ist dein neues Album entstanden?
Paul Potts: Mit "Passione" begannen wir vor einem Jahr. Während meiner Tour durch die USA, Kanada und Mexiko hörte ich viel Musik. Davon wählte ich 60 Lieder aus und schickte sie an meine Plattenfirma. Viele dieser Songs sind jetzt auf der CD. Ich bin sehr stolz auf diese CD, es hat wirklich schöne Lieder darauf.
Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass man keine bestimmte Bildung braucht, um Musik zu hören. Die Gefühle, die die Musik in dir hervorrufen sind wichtig, denn sie bewegen dich auch zu einem allfälligen Album-Kauf!
hitparade.ch: Was denkst du, würdest du jetzt tun, wenn du nicht vor ein paar Jahren deinen Durchbruch bei "Britain's Got Talent" gehabt hättest?
Paul Potts: Ich würde immer noch Handy verkaufen, da bin ich sicher! Ohne "Britain's Got Talent" wäre das alles nie passiert, weil ich das Singen bereits aufgegeben hatte. Jedes Mal wenn ich eine Bühne betrete, bin ich von neuem überrascht, was ich tue. Ich hätte es nie erwartet!
hitparade.ch: Hattest du seit deinem Auftritt in der Show professionelle Trainings? In welchen Dingen musst du dich noch verbessern?
Paul Potts: Ja, ich trainiere ständig und es gibt noch viele Dinge die ich verändern kann. Besonders an der Stimme sollte man nie aufhören zu arbeiten! Es ist wichtig, ein zweites Paar Ohren zu haben, die einem beurteilen. Oft bin ich zu mir selbst zu hart und merke erst im Nachhinein, dass ich gar nicht so schlecht gesungen habe!
hitparade.ch: Wie oft sitzt du mit Gesangslehrern zusammen und verbesserst deine Stimme?
Paul Potts: So oft wie möglich! Meine Agenda ist jedoch immer sehr voll und lässt es nicht häufig zu. Letztes Wochenende liess ich meinen Lehrer nach Wien einfliegen, damit ich üben konnte. Wenn ich zurück in Grossbritannien bin, macht er gerade Urlaub, darum wollte ich die Gesangsstunde vorziehen.
hitparade.ch: Es ist schon länger her, als du vor Pavarotti singen durftest. Erfüllte sich damit ein Kindheitstraum von dir?
Paul Potts: Das war unglaublich aufregend! Ich performte "Che gelida manina" aus La Bohème. Der Pianist erzählte mir, welch grosses Wagnis dies sei, weil es einer der meist gesungenen Arien Pavarottis ist. Mir gefällt die Arie sehr, aber sie ist nicht leicht. Einmal vergass ich zur richtigen Zeit Luft zu holen, darum blieb mir der Atem weg. Pavarotti lobte mich trotzdem, wollte jedoch noch wissen, was ich sonst noch singe und liess mich weitere Arien performen.
hitparade.ch: Wie ist es, mit Simon Cowell zu arbeiten?
Paul Potts: Sehr angenehm! Wir sprechen und ab und zu, aber es ist schwer. Ähnlich wie bei Leona und mir. Wir sind selten am selben Ort und können und nur wenig sehen. Er ist sehr zufrieden mit der neuen CD, was mich natürlich zu hören freut. Immerhin hat er grosse Einflüsse in der Musikszene!
hitparade.ch: Die plötzliche Berühmtheit kam für dich sehr unerwartet und überraschend. Gibt es Erfahrungen, auf die du überhaupt nicht vorbereitet warst?
Paul Potts: Ich glaube, ich war auf nichts vorbereitet! Nach meinem Auftritt ging alles total schnell. Ich hatte sofort meine erste Pressekonferenz, etwas Unbekanntes für mich. Ich versuchte so viele Fragen wie möglich zu beantworten. Noch heute gehe ich unvorbereitet an Interviews, so kann ich viel ehrlicher und spontaner Auskunft geben.
hitparade.ch: Mit Musikern wie dir oder Il Divo feiert die klassische Musik scheinbar ein Comeback. Warum denkst du, ist das im heutigen Pop-Zeitalter so?
Paul Potts: Ich weiss es nicht. Viele Leute sind sich wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass sie klassische Musik kennen. Zum Beispiel in der Werbung werden oft klassische Stücke verwendet. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie auf der Basis von 12 Noten, solch emotionale Lieder und wunderbare Kombinationen entstehen können!
interview
04.September 2008
Paul Potts aus Bristol wurde 2007 durch seine Auftritte in der britischen Castinshow "Britain's Got Talents" weltberühmt. Bei uns schaffte er den endgültigen Durchbruch vor einigen Monaten durch einen deutschen Werbespot. Wir haben Paul Potts bei einem Aufenthalt in Zürich zum Interview getroffen. Er wird übrigens am 12. November im Hallenstadion zu sehen sein!
hitparade.ch: Wann hast du deine Leidenschaft für die klassische Musik entdeckt?
Paul Potts: Ich war ungefähr 11 Jahre alt, als ich den Film "E.T." zum ersten Mal sah. Mit Eliott, dem kleinen Jungen, konnte ich mich besonders identifizieren. Weil mir die Filmmusik so sehr gefiel, kaufte ich mit meinem Taschengeld den Soundtrack. Ich erinnere mich, wie ich zu hause sass, die Musik hörte und so tat, als würde ich ein ganzes Orchester führen. Ich begann Tschaikowsky und Brahms zu hören, weil ich mich mehr mit klassischer Musik beschäftigen wollte. Pop-Musik hörte ich schon auch ab und zu, aber
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sie berührte mich einfach nicht gleich fest wie Klassik.
hitparade.ch: Hast du dich auch im Pop/Rock-Bereich versuchst?
Paul: Ja, mit etwa zwanzig Jahren habe ich Karaoke gesungen. Am liebsten mochte ich Queen oder Foreigner Songs, weil ich dort in einer hohen Tonlage singen durfte!
hitparade.ch: Vom Alter her betrachtet musstest du relativ lang auf deinen Durchbruch warten. Gab es häufig Momente, an denen du daran gedacht hast, die musikalische Karriere an den Nagel zu hängen?
Paul: Ich hatte einen grossen Tumor und stand bis vor der Operation auf der Bühne. Die Operationen kosteten viel Geld, weil ich dafür immer nach London reisen musste. Bereits kurze Zeit später trat ich wieder auf und arbeitete nebenbei in einem Supermarkt. Dann hatte ich einen Fahrrad-Unfall und brach mir mein Schlüsselbein und zog mir ein Schleudertrauma zu. Das brachte mich dazu, mit dem Singen aufzuhören. Ursprünglich hatte ich keine Energie, weil ich nicht genug schlief. Mein Körper konnte den Stress nicht mehr bewältigen, da ich nur eine Adrenaldrüse hatte. Finanziell lag es nicht mehr drin, mit dem Singen weiterzumachen. Mit dieser Lebensphase habe ich damals bereits abgeschlossen.
Ich kam zufällig auf die Webseite von "Britains got talent" und überlegte mir, mich für die Show anzumelden. Doch ich zögerte. War ich nicht zu alt? Hatte ich überhaupt Talent? Einen Tag vor Anmeldeschluss warf ich die Münze. Sie zeigte "Kopf" und nahm mir somit die Entscheidung ab, mich anzumelden. Ich wollte einfach am Vorsingen teilnehmen. Eigentlich suchte ich nicht nach einem Ausweg für irgendetwas. Ich mochte meinen Job bei dem ich den Leuten mit ihren Handy-Problemen helfen konnte.
hitparade.ch: Tenöre schaffen es kaum in die vorderen Ränge der Single-Charts. Wie hoch schätzt du selbst deine Erfolge ein?
Paul: Es ist unglaublich! Ich hatte zwei Singles in den deutschen Charts. Und hier bin ich auf Platz 15. Schön, wie die Leute klassische Musik zu schätzen wissen. In der Musik sollte es keine Grenzen und Einschränkungen geben, finde ich. Es soll egal sein, woher du kommst, was du für eine Vergangenheit hast und wie alt du bist.
hitparade.ch: Denkst du, dass du mit deinen CDs jungen Menschen die klassische Musik näher bringen wirst und kannst?
Paul: Das hoffe ich! Ich kam mit der klassischen Musik schon sehr jung in Kontakt. Viele hielten mich für ein wenig verrückt, weil damals jeder Heavy Metal hörte. Auch Rap-Musik ist nichts für mich. Musik ist halt einfach Geschmackssache!
hitparade.ch: Stars behaupten sehr häufig, sich trotz des Erfolges nicht verändert zu haben. Wie siehst du das?
Paul: Ich denke, es ist wichtig sich immer zu erinnern, wer man eigentlich ist. Sonst besteht die Gefahr, dass man sich selbst darin verliert, jemanden zu spielen, den man gar nicht ist. Ein Gedicht von Richard Kipling, bekannt für "Das Dschungelbuch", half mir mich selbst zu bleiben. Dieses Gedicht würde sehr gut zu Roger Federer passen. Es handelt davon, wie man mit Erfolg und Niederlagen umgehen soll. Man sollte beide gleich behandeln. Man sollte immer sich selber sein, egal was einem passiert. Es kann dein Leben verändern, aber muss nicht auch dich selber verändern
hitparade.ch: Leona Lewis ist ja der zweite Casting-Superstar aus Grossbritannien. Hast du sie bereits persönlich kennen gelernt und hättest du Lust, mit ihr vielleicht ein Duett zu machen?
Paul: Nein, habe ich nicht. Unser Management ist zwar dasselbe, doch während ich in Japan war, befand sie sich in Amerika. So verpassten wir uns bisher immer. Doch ich bin sicher, wir werden uns bald einmal treffen. Ein Duett mit ihr würde mich sehr reizen! Eine Idee hätte ich sogar auch schon. Jetzt müssen wir nur noch zur selben Zeit am selben Ort sein...
hitparade.ch: Deine Auftritte bei Britain's Got Talent geniessen mittlerweile - auch dank YouTube - Kult-Status. Was denkst du, imponiert und fasziniert den Zuseher und -hörer so daran?
Paul: Ich weiss es nicht. Für mich war dieser Auftritt der Wendepunkt meines Lebens, unglaublich wie er alles veränderte. Ich bin mir bewusst, dass ich das alles nicht geschafft hätte, wenn die Leute ihr hart verdientes Geld nicht für meine CDs und Konzerttickets ausgeben würden. Dafür bin ich sehr dankbar, schliesslich geben sie mir damit eine Möglichkeit, die ich bisher nie hatte.
hitparade.ch: Du bist seit mittlerweile fünf Jahren verheiratet. Denkst du, dass du auch ohne deine Frau das erreicht haben könntest?
Paul: Ohne sie hätte ich das nie geschafft! Sie war immer an meiner Seite, drängte mich aber nie zu etwas. Es war damals zum Beispiel ganz allein meine Entscheidung, mit dem Singen aufzuhören.
hitparade.ch: In Deutschland wurdest du zu einem Werbestar - hast du mit einem so enormen Echo auf den Spot gerechnet, immerhin verdankst diesem einen grossen Teil deines Durchbruchs in Deutschland...
Paul: Es ist unglaublich, wie sich die Dinge verändert haben! Ich war zuvor schon in Deutschland, aber der Erfolg brauchte einfach seine Zeit. Ich mag Deutschland und es war schön wieder dorthin zurück zu gehen. Jetzt bin ich zum ersten Mal in der Schweiz und geniesse es ebenfalls sehr. Ich hoffe ich kann noch einige tolle Tage hier verbringen und möglichst viele Dinge anschauen.
Unfassbar, vor 14 Monaten verkaufte ich noch Handys. Heute bin ich in den verschiedensten Ländern der Welt unterwegs und treffe so viele nette Leute!
hitparade.ch: Selbstzweifel scheinen dich auf deinem Weg begleitet zu haben - hat dir der Erfolg geholfen, ein neues Selbstbewusstsein aufzubauen?
Paul: Mein Selbstbewusstsein wächst. Aber ich bin nicht die selbstsicherste Person und werde es wahrscheinlich auch niemals sein, dazu bin ich einfach zu schüchtern. Auf der Bühne habe ich meine eigene Art damit umzugehen. Ich stelle mir die Zuhörer als meine Freunde vor, so fällt es mir leichter und das Selbstvertrauen steigt. Dazu kommt, dass ich auf der Bühne etwas tue, was ich liebe, das hilft ebenfalls!
hitparade.ch: Was würdest du Menschen raten, die eher als Mauerblümchen bzw. Aussenseitern durch die Welt gehen. Nicht jeder ist mit einer Stimme wie deiner gesegnet bzw. hat das Glück, entdeckt zu werden...
Paul: Immer versuchen selbstbewusster zu sein, als ich es war. Möglichst viel Übung und gute zeitliche und finanzielle Organisation. Und am Wichtigsten: Geniesse was du tust!
Das Leben ist wie eine Strasse, nur hast du keine Strassenkarte dafür. Du weisst also nie, was um die Ecke ist. Dinge können sich schnell ändern, darum sollte man nichts als selbstverständlich ansehen.
hitparade.ch: Deine Songs sind Coverversionen bekannter Hits. Kannst du dir vorstellen, selbst einen klassischen Song zu komponieren?
Paul: Das habe ich einmal getan für eine Musikprüfung. Ich war jedoch ein hoffnungsloser Fall. Komponieren ist nichts für mich, damit verdient man zu wenig Geld! (lacht)
hitparade.ch: Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
Paul: Ich möchte einfach so lange wie möglich mit dem weitermachen, was ich momentan tue. Dies liegt jedoch in alles in der Hand der Leute, die meine CDs kaufen und meine Konzerte besuchen. Ohne sie habe ich keine Zukunft! Nach Zürich komme ich hoffentlich auch bald wieder. Es ist noch nicht offiziell, aber im November werde ich hier ein Konzert geben.
(Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile ist es offiziell, am 12. November 2008 tritt Paul Potts im Hallenstadion Zürich auf.)