Interviews mit
Patent Ochsner
interview
13.Juni 2012
Get the
Lange mussten sich die Fans gedulden, doch endlich ist es soweit: Heute, am Freitag, 22. Juni 2012, erscheint das neue Studioalbum der erfolgreichen Band Patent Ochsner. Die Scheibe heisst "Johnny" und ist zugleich auch Teil 2 des vorherigen Albums "The Rimini Flashdown". Wir haben den charismatischen Frontmann Büne Huber zum Interview getroffen.
hitparade.ch: Am Freitag, 22. Juni 2012, erscheint Euer neues Album "Johnny". Dies ist zugleich auch Part II der Scheibe "Rimini Flashdown". Inwiefern ist dies nun die Fortsetzung? Ist es kein eigenständiges Album?
Büne: Doch, es ist ein eigenständiges Album. Weisst Du, bei der letzten Scheibe hatte ich einen unglaublich guten Lauf. Ich hatte sehr viel Material, sehr viele Songs. Ich spürte, dass es weitergehen muss, dass diese Songs alle zusammengehören. Ich war überzeugt, dass ich von diesem Rohstoff weiter schöpfen werde, wenn ich weiterfahre. Danach ist mein Leben aber leider ein
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wenig aus dem Ruder gelaufen, aus privaten Gründen. Mir ist ein ganzes Jahr lang nichts gelungen, ich hatte die totale Krise. Ich habe nichts Schlaues zustande gebracht und war sehr unlustig, hatte keine Visionen für meine Zukunft. Ich kenne zwar die Momente, in denen man blockiert ist und nichts mehr geht, aber dass dieser Zustand mehr als ein Jahr anhält, das gab es zuvor nie. Ich habe kein Bild malen und keinen Song schreiben können. Danach bin ich in ein Loft gezogen. Dort habe ich mir meine Privaträume und meine Arbeitsräume richtig an einem Ort einrichten können. Dort habe ich dann zum ersten Mal gespürt, dass es wieder weitergehen kann. Allerdings kamen mir dort neue Ideen. Ich konnte nicht mit den bestehenden Ideen in einem neuen Umfeld arbeiten. Ich wollte etwas Neues kreieren und habe dann die Idee mit dem Flashdown Part II über Bord geworfen. Oder zumindest auf Eis gelegt. Dann haben wir mit der Arbeit angefangen und haben einen grossen Teil direkt dort, in meinem neuen Zuhause, aufgenommen. Die Bläser standen im Wohnzimmer, Christian Brantschen mit dem Akkordeon unter der Dusche und ich habe im Schlafzimmer gesungen (lacht). Der Traum von Flashdown Part II war in diesem Moment komplett erledigt. Doch kurz vor dem Ende änderte sich Einiges. Ich tat, was ich sonst nur sehr selten tue: Ich habe mir alle Patent Ochsner Alben, von der "Schlachtplatte" bis hin zu "Rimini Flashdown" angehört. Und da habe ich gecheckt, dass, obwohl es so nicht geplant war, die neue Scheibe nahtlos an "Rimini Flashdown" anknüpft. Es sind zwar nicht die Songs, die ich bei der Idee im Sinn hatte, aber es ist inhaltlich genau an diesem abstürzenden Punkt: Bei "Rimini" besteht der Schluss aus Blue September, 21 Gramm, Rimini Reprise und Apollo 11. Danach spickt es den Typen einfach hinaus ins Leere, man hört sogar ansatzweise Weltallgeräusche. Und dann beginnt Johnny mit einem heulenden Wolf, einer, der den Mond anheult. Ich habe das alles plastisch vor mir gesehen! Meinen eigenen Absturz, meine Handlungsunfähigkeit, die ich direkt nach der Tour gespürt habe, das war fast schon vorbestimmt, das Ende der "Rimini"-Scheibe kündet es ja regelrecht an. Danach ging ich zu Disu Gmünder und Andi Hug und zeigte ihnen den Übergang. Ich konnte nicht fassen, dass sich das von selbst so ergeben hatte. Und am anderen Morgen kam Chrigu, unser Manager, herein und sagte: "Tja, offensichtlich ist es ja nun doch noch Flashdown Part II geworden." Ich hätte das nie gedacht. Das ist richtig befreiend! Das Album ist zwar eigenständig, doch es bildet eine Brücke zur anderen Scheibe. Das berührt mich richtig.
hitparade.ch: Das Album heisst "Johnny". Wer ist denn Johnny?
Büne: Johnny ist der Archetypus des Rock'n'Roll. Chuck Berry hat ihn mit "Johnny Be Good" ins Leben gerufen. Züri West braucht den Johnny auch oft und auch Sängerin Daniela Sarda benutzt den Namen in einem ihrer Songs. Er ist das Bild des Rock'n'Rollers und Herumtreibers, der nicht so richtig erwachsen wird. Ein wenig wie Peter Pan. Aber auch mein Vater hat mich in gewissen guten Momenten Johnny genannt.
hitparade.ch: Ach so. Ich dachte, vielleicht hat Johnny noch eine andere Bedeutung, denn in der ersten Strophe fallen die Zeilen "Geisch immer schön de Nase na u we der niemer Frage steut de lügsch o niemer aa". Diese Zeilen singst Du auch beim Song "Sou" Deiner Soloscheibe "Honigmelonemond". Ist das nur eine Spielerei, dass Du diese Zeilen wieder verwendest, oder hat dies eine zusätzliche Bedeutung?
Büne: Keine Spielerei. Es ist schön, dass Dir das aufgefallen ist. Es ist toll, wenn man solche Quervergleiche machen kann mit einem Augenzwinkern. Wenn man sich den Song "Sou" anhört, dann merkt man nämlich, dass es auch dort um die Herumtreiberei und das Unbeständige geht. Und Johnny ist eigentlich genau das. Die beiden Charaktere stehen am gleichen Ort. Johnny kommt nicht vorwärts, er dreht sich im Kreis. Er vergleicht sich selbst mit einer auffliegenden Taube, obwohl er selbst auf dem absteigenden Ast ist. Und die Taube fliegt einen Kreis und landet wieder am selben Ort. Die Taube ist in diesem Zusammenhang kein Symbol für Freiheit, sondern fällt eher in die Kategorie "Ratten der Lüfte". Eine Art Selbstverachtung.
hitparade.ch: Ein Song, der sehr heraussticht beim neuen Album ist "Sunnedeck". Da hört man Marsch-, Karibik- und sogar Balkanklänge. Was hat es mit diesem Song auf sich?
Büne: Ursprünglich war dieser Song nur als kleines Intermezzo geplant. Auch dort gibt es ein Zitat aus dem Song "Honigmelonemond", nämlich: "Aues wo mir isch ghört o dir". Sunnedeck habe ich für meine Tochter geschrieben, genau wie damals auch der andere Song. Er ist eine Art Gebet.
Das Gebet eines Menschen, der nicht so religiös ist. Ich erlebe meine Tochter als 15-jährige junge Frau, die mit voller Neugier und gesundem Selbstvertrauen in diese Welt hinausgeht und offen ist für so viele Dinge. Man steht daneben und merkt, dass man diesen uneingeschränkten Tatendurst nicht mehr besitzt. Ich als Vater sehe meine Tochter in die Welt hinausgehen und ich sage: "Probiere alles aus! Geh hin, wo es Dich hinzieht! Und ich verspreche Dir, ich halte Dich fest, solltest Du abstürzen. Ich gebe Dir mein Ehrenwort, dass ich alles dafür tue, dass Du nicht aufprallst. Und ich kann Dir auch versprechen, dass ich Dich wieder ziehen lasse." Das ist es, was ich als Vater bieten kann. Und wie gesagt, der Song sollte nur ein ganz kleines Intermezzo sein. Er sollte einfach so zwischen all den anderen Songs auftauchen und danach wieder verschwinden. Aber auf einmal war da die Idee, eine musikalische Reise zu machen. Der Song beginnt auf dem Dorfplatz in Niederweningen oder in Hinterfultigen, dann geht es in die weite Welt hinaus. Nach Afrika, dann hinüber an den Bosporus, und via Balkan wieder nach Hause. Und dies ist auch für mich ein persönliches und wichtiges Statement, es wird fast schon gesellschaftspolitisch. Der Umgang mit verschiedenen Kulturen ist für eine Gesellschaft nie einfach. Das Zusammenleben ist schier unmömglich, wenn alle auf ihren Standpunkten verharren. Es liegt mir fern, einen auf Multikulti-Kitsch zu machen, aber es scheint mir zunehmend so, dass Dinge, die so weit weg erscheinen, oftmals gar nicht so weit entfernt sind, wie man glaubt. Wenn man sich die Afrikanische Musik anschaut, findet man dort Strukturen, die man auch in unserer eigenen Musik wiederfindet. Es passt Vieles zusammen. Egal wohin man geht, man findet immer wieder Bezugspunkte. Wir haben alle unser eigenes Leben und sind unterschiedlich beeinflusst, aber wir haben miteinander zu tun. Dies hielt ich für ein wichtiges Statement. Wir sollten versuchen, im gemeinsamen Umgang wieder etwas sorgfältiger zu werden.
hitparade.ch: Der erste Song, den ihr veröffentlicht habt, heisst "Zucker + Zitrone". Wieso habt Ihr Euch für diesen Song entschieden?
Büne: In den letzten Tagen unserer Aufnahmen machten wir uns an diesen Song. Ich wusste eigentlich genau, was ich wollte, aber ich kam mit dem Text nie so richtig auf den Punkt. In den letzten Tagen, kurz bevor es ans Abmischen ging, haben wir noch einige Bläser-Tracks aufgenommen. Helge van Dyk, unser Tonmeister, wohnte in dieser Zeit bei mir. Mein Loft wurde zum Tollhaus! Die Musiker gingen ein und aus, ich habe gekocht - es war ein richtiges Familienleben!
Ich schrieb den Text mitten in der Nacht, während die anderen gerade mit Aufnahmen beschäftigt waren. Irgendwie hat alles gepasst. Als später alle mein Schiff verlassen hatten, habe ich den noch ofenfrischen Text eingesungen. Helge hat mein Schlafzimmer so umfunktioniert, dass ich jederzeit Gesangsspuren aufnehmen konnte. Und als am nächsten Tag die anderen Musiker wieder aufgetaucht sind, habe ich ihnen den Song vorgespielt. Und dann war für uns klar, "das ist die Single"! Wir schickten den Song an Universal, die waren zufrieden und schon war die Entscheidung gefällt. Alles ging sehr schnell. Der Song war neu und die Euphorie gross, also machten wir es einfach. Vielleicht etwas überstürzt, aber so sind wir nun einmal. Man stürzt sich einfach hinein! Manchmal schiesst man damit über's Ziel hinaus und manchmal landet man damit einen Treffer. Man weiss es nie genau.
hitparade.ch: Ihr seid wahnsinnig viele Musiker in dieser Band. Wie funktioniert das denn, wenn Ihr Songs am Erarbeiten seid? Wer hat wieviel zu sagen?
Büne: Das läuft bei uns schon sehr strukturiert. Wenn es um die Aufnahmen zu einem neuen Album geht, bin ich meistens sehr konkret. Ich weiss, was ich will und kann nicht alle miteinbeziehen. Ich bevorzuge die Arbeit in einem kleinen Team. Wenn wir allerdings auf die Bühne gehen, redet Jeder mit! Es gibt einen Ausdruck auf der Platte, der kompromisslos ist. Und auf der Bühne ist alles erlaubt und möglich. Dort ist es grandios mit dem ganzen Background und der Wucht, die jeder einzelne Musiker mit auf die Bühne bringt, neues Leben in die Songs zu bringen. Live klingt die Musik teilweise ganz anders als auf dem Album. Es soll irgendwas anderes daraus herauswachsen.
hitparade.ch: Du hast erwähnt, dass die Songs live ganz anders klingen als auf dem Album. Dann wäre es ja aber auch wieder einmal spannend, ein Live-Album zu machen. Nicht?
Büne: Wir machen fast bei jeder Tour Live-Mitschnitte. Wenn es dann darum geht, eine neue Tournee zu planen, dann hören wir uns die Live-Mitschnitte an. So kann man entscheiden, welche Songs sicher wieder ins Programm aufgenommen werden und welche nicht. Und beim Durchhören merkt man wieder, wie viel echt geiles Material vorhanden ist. Klänge, die einfach während der Tour auf der Bühne entstanden sind. Vielleicht müsste man nach jeder Tour ein Live-Album veröffentlichen. Für die Musikliebhaber unter uns wäre es bestimmt interessant zu sehen, wie sich ein Song während einer Tour verändert.
hitparade.ch: Letztes Jahr hast Du die "Meccano Destructif Commando"-Tour gemacht. Du und drei Musiker habt Nachtschattengewächse, genaugesagt ruhigere und unbekanntere Patent Ochsner-Perlen, ausgegraben und gespielt. Hier würde sicher eine grosse Nachfrage nach einer Live-Scheibe bestehen!
Büne: Das könnte sein! Aber es steht auf jeden Fall für mich schon fest, dass ich nach der Ochsner-Tour wieder eine "Meccano"-Runde drehen werde. Da spielen wir die Songs, die sonst nicht so recht zum Zuge kommen. Es ist alles in kleinem Rahmen und funktioniert einfach. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit dem "Meccano Destructif Kommando" auch ein Studio-Album machen werde.
hitparade.ch: Wie ist es für Dich eigentlich, dass Du bei Live-Konzerten nie um "Scharlachrot" oder "W. Nuss vo Bümpliz" herumkommst?
Büne: Ich beklage mich wirklich nicht über die Tatsache, dass wir diese Pflicht-Songs haben! Es gibt einfach das Credo, dass wir den Song nicht spielen, wenn ich den Bezug zum Song verliere. Es gab einmal eine Zeit, in der wir "Scharlachrot" nicht mehr gespielt haben. Ich bin aber stolz, dass wir in unserer Geschichte Songs haben, die so bekannt sind und die den Leuten etwas bedeuten. Aber wenn ich wirklich das Herz bei einem Song verliere, dann lassen wir den Song eine Weile ruhen.
hitparade.ch: Ihr habt Ende Mai drei Konzerte in Deutschland gespielt. Was war das für eine Erfahrung? Wie ging's mit der Sprache?
Büne: Es war zwar in Deutschland, aber nahe der Grenze. Wir wollten einfach in einem geschützten Rahmen spielen können und Dinge ausprobieren. Wir werden immer wieder angefragt, dass wir nach Deutschland kommen sollen, um zu spielen. Aber es ist nun einmal so, dass man 30% Quellensteuer abdrückt. Man ist 17 Tage unterwegs, kommt nach Hause und hat kein Geld verdient. Aber wir betreiben ja nicht ein exzentrisches Hobby, es ist unser Job (lacht). Aber Spass macht es! Wir werden es wieder machen, auch wenn es sich wirtschaftlich gesehen nicht lohnt.
hitparade.ch: Nun gab es Anfang Juni drei Konzerte in der Kopfmehl Halle Solothurn unter dem Decknamen "Erika And The Bitterlins". Kannst Du den Leuten, die das nicht wissen, erklären, wer Erika Bitterlin ist?
Büne: Erika Bitterlin ist unsere Sekretärin (lacht). Sie arbeitet auf der Homebase in Biel und ist schon sehr lange administrativ für uns tätig. Ich mache mich immer lustig, aber sie ist eine unglaublich treue Seele und eine loyale Mitarbeiterin. Sie passt eigentlich gar nicht so richtig in diesen chaotischen Haufen. Sie ist sehr geordnet, hat Benimm und ist eine extrem liebe Frau. Sie mag mich und lässt mir auch gewisse Ausfälligkeiten durchgehen. Ich bringe ihr hin und wieder ein Blümchen mit ins Büro, als Dankeschön, dass sie mir immer den Rücken freihält. Sie betreut auf unserer Homepage das Gästebuch und beantwortet die wichtigen Fragen. Wer Patent Ochsner kennt, kennt wahrscheinlich auch Frau Bitterlin. Dadurch konnten wir mit diesem Decknamen den Fans durch die Blume verraten, dass sich hinter "Erika And The Bitterlins" Patent Ochsner versteckt. Es kam offenbar viel Post ins Kopfmehl! Die Leute haben geschrieben: "Es ist so eigenartig! Da sind drei Konzerte einer Band ausverkauft, von der ich noch nie etwas gehört habe!" (lacht). Ich habe im Nachhinein dann aber erfahren, dass eine Newsletter an die Fans gegangen sei, in der das Geheimnis um "Erika And The Bitterlins" gelüftet wurde.
hitparade.ch: Du hast soeben Eure Website erwähnt. Dort ist ja auch ein Logbuch, in dem Du regelmässig Zeichnungen und Geschichten präsentierst. Könntest Du Dir vorstellen, dieses Logbuch als richtiges Buch herauszubringen?
Büne: Es ist nicht so gedacht. Ich mache es für mich. Dann schaut man es an und sieht, dass es etwas hergibt. Aber der Gedanke dahinter geht nicht in diese Richtung. Was ich mir aber tatsächlich überlege, ist, dass ich meine Stories als Kurzgeschichten veröffentlichen könnte. Ich zeichne viel. So ein Buch mit Zeichnungen und Collagen, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Aber das würde dann schon etwas anders daherkommen. Das Logbuch ist bewusst skizzenhaft und schludrig. Es gibt ein einziges Logbuch-Dogma: Wenn ein Blatt Papier in die Hermes Baby gespannt ist, dann darf keine neue Seite verwendet werden. Selbst dann nicht, wenn man sich fürchterlich verreitet. Dadurch kann es natürlich auch schon ein bisschen peinlich werden. Im schlimmsten Fall muss ich literweise TippEx verwenden oder von Hand Korrekturen anbringen. Die Blätter wirken oft ziemlich chaotisch.
hitparade.ch: Anfang Juni war eine Jugend-Demo in Bern. Da habt Ihr ein spontanes Konzert gegeben. Wie ist es zu diesem Auftritt gekommen? Und wie stehst Du zu dieser Demo?
Büne: Nachdem wir dort gespielt haben, sind wir von vielen Medien um Stellungnahmen gebeten worden. Unser Auftritt war unser Statement. Wir unterstützen die politische Idee und damit auch die jungen Leute aus der Reithalle. Es wurde für Viele eine wunderschöne und unvergessliche Nacht und ich finde, dass auch die Stadtregierung sehr souverän darauf reagiert hat.
Es gab im Nachgang einige negative Reaktionen. Wir hätten ein falsches Zeichen gesetzt, oder ob wir es denn nötig hätten, eine derart unpolitische Spassaktion zu unterstützen. Na ja, einige Leute aus meiner Generation wählen heute die selben Worte, mit denen wir von der Generation vor uns angegangen wurden. Wenn man ihnen zuhört, könnte man meinen, früher seien die Leute weiss der Teufel wie differenziert, politisch bewusst und konkret gewesen. Mamma mia, die Jugend von damals war keinen Deut besser als die Jugend von heute! Sie war anders. Na und? Isch normau im Fau!
hitparade.ch: Dein Musikerkollege Kuno Lauener hat mit Züri West dieses Jahr auch ein Album veröffentlicht. Wie gefällt Dir "Göteborg"? Speziell natürlich der Titelsong? Schliesslich kommst Du darin vor!
Büne: Mich hat es sehr belustigt! Ich bin auch ein bisschen stolz, dass ich in einem Song von Züri West erwähnt werde! Kurz nach dem Release von "Göteborg" musste ich in einer Berner Zeitung lesen, Kuno disse seine Musikerkollegen. Das hat mich ziemlich erstaunt! Als ich Küse Fehlmann einige Tage später per Zufall traf, habe ich ihn gefragt, ob ich da etwas falsch verstanden hätte. Aber er bestätigte mir, dass dies nichts mit dissen zu tun habe. War ja auch klar! Ich habe mich wirklich über den Song gefreut. Ich mag Züri West sehr! Ich habe sehr grossen Respekt vor dieser Band. Zu diesem Album habe ich allerdings den Zugang noch nicht gefunden.
interview
12.November 2010
Wenn zwei Welten aufeinander prallen - Patent Ochsner auf dem Berner Bundesplatz
Die Berner Kultband Patent Ochsner hat am 28. August dieses Jahres gemeinsam mit dem Berner Symphonieorchester ein abendfüllendes Konzert gespielt. Eine wunderbare Auswahl an beliebten Ochsner-Songs wurde umarrangiert und gratis vor tausenden begeisterten Fans präsentiert. Dank grosser Nachfrage und vielen positiven Rückmeldungen wurde das gefühlvolle Konzert in eine CD inkl. DVD verpackt, die seit vergangenem Freitag in den Läden steht. Der symphatische Frontmann Büne Huber hat uns am Telefon alles über das Konzert und die Zukunftspläne von Patent Ochsner erzählt.
hitparade.ch: Es ist schon einige Zeit vergangen seit der letzten Patent Ochsner Platte. Nun ist die Live-CD vom Berner Bundesplatz erschienen. Wie bist Du auf die Idee gekommen, gemeinsam mit dem Berner Symphonieorchester Deine Songs live zu spielen?
Büne Huber: Diese Idee ist vor zwei Jahren an uns
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herangetragen worden von der Berner Mobiliarversicherung "Die Mobiliar". Die haben vor längerer Zeit diesen grünen Granitstein auf dem Berner Bundesplatz gesponsert und dürfen seither einmal pro Jahr einen Anlass auf dem Berner Bundesplatz ausrichten. Jedes Jahr Ende Sommer machen sie ein Konzert mit dem Berner Symphonieorchester und einer Rockband, die anschliessend in der Nacht noch spielt. Die sind dann also zu uns gekommen und haben uns vorgeschlagen, etwas Verbindendes zu machen. Das Berner Symphonieorchester sollte zuerst spielen, dann würde es ein kurzes Intermezzo geben, in dem wir gemeinsam 4 bis 5 Songs spielen, danach wäre es ein reines Patent Ochsner Konzert. So war der Plan vor 2 Jahren und wir fanden die Idee gut. Irgendwann aber fanden wir, dass es viel zu schade ist, dieses gemeinsame Zusammenspiel nur so kurz zu machen. "Wenn wir es machen, dann sollten wir dies gleich richtig anteigen", sagten wir uns. Und so haben wir dieses ganze Konzert um ein Jahr verschoben, damit wir Zeit für die Vorbereitung hatten. Wir haben zwei Arrangeure mit ins Boot geholt, Simon Ho und Philipp Heinzi, die dann viele unserer Songs umarrangiert haben und die wir dann geprobt haben. So haben wir versucht, diese zwei Welten zu vereinen.
hitparade.ch: Musstet Ihr denn lange proben?
Büne Huber: Nein, wir hatten gar nicht so viel Zeit. Jedes "Ensemble" hat für sich alleine geprobt. So ein Orchester ist ein riesiger Apparat, das war nicht so einfach. Erst im April haben wir das erste Mal alle gemeinsam geprobt. Dort ging es darum, feine Korrekturen an den Arrangements zu machen. Dann hatten wir noch vier Proben, unmittelbar vor dem Konzert.
hitparade.ch: Das ist nicht viel...
Büne Huber: Nein, wirklich nicht (lacht).
hitparade.ch: Aber dass ihr eine CD und eine DVD daraus machen werdet, das war von Anfang an geplant?
Büne Huber: Nein, überhaupt nicht. Es hat uns auf dem linken Fuss erwischt (lacht). Wir haben es einfach aufgenommen und uns danach gedacht, dass man ein solches Erlebnis nicht einfach vorbeiziehen lassen darf. Zudem haben wir nach dem Konzert sehr viel Post gekriegt, E-Mails und Meldungen, dass wir die Aufnahmen unbedingt veröffentlichen sollen, denn das Konzert sei sehr intensiv und speziell gewesen. Wir dachten uns dann, warum nicht? Obschon das Ganze auch irgendwie unperfekt war. Das ist das Interessante dran: Es treffen zwei Welten aufeinander und man hat nur einen Gig. Und genau dort muss es passieren. Wenn es dann in die Hose geht, sind die Songs nicht brauchbar. Und sicher sind auch mal Fehler passiert, aber wir haben es trotzdem veröffentlicht. Und ich selbst finde, dass das Klangerlebnis irrsinnig ist. Wenn man einen auf Pop-Standart machen würde, könnte man da noch herumschrauben und im Studio einzelne Parts neu aufnehmen, aber das haben wir nicht gemacht.
hitparade.ch: Ich finde es klingt grossartig!
Büne Huber: Mir gefällt es auch sehr, und dies haben wir Diesel Gmünder und Gschweli zu verdanken. Dank ihnen haben wir aus diesem Tonmaterial, das wir hatten, so etwas Transparentes hingekriegt.
hitparade.ch: Was war es für ein Gefühl, ein ganzes Symphonieorchester Deine Songs spielen zu hören? Das muss doch unglaublich sein...
Büne Huber: Der intensivste Moment war für mich eigentlich gleich bei der ersten Probe. Da sind Ändu, Brantschen und ich auf der Bühne in der Mitte des Klangkörpers gesessen. Mitten im Orchester. Und dies bin ich nicht gewohnt, denn normalerweise, wenn ich einem Orchester zuhöre, dann sitze ich in den Zuschauerreihen und die Musik kommt frontal entgegen. Und auf einmal war ich Teil davon und sass mitten im Klangkörper. Und auch wenn alles noch sehr unperfekt war, hat es mich unglaublich berührt. So ein Gefühl würde ich jedem Menschen einmal gönnen. Es ist unglaublich intensiv im Klang eines Orchesters zu sitzen. Wenn man dann auf der Bühne ist, wird man natürlich auch mit anderen Sachen konfrontiert. Was mir aufgefallen ist: Eine Rockband hat ja einen Puls, ein Herz, und das ist das Schlagzeug. Das Herz eines Orchesters ist der Dirigent. Und auf einmal sind zwei Herzen auf der Bühne. Das muss man irgendwie arrangieren. Ändu hat am Schlagzeug einen Bildschirm gehabt, auf dem wir den Dirigenten sehen konnten, denn wir spielten auf der Bühne weiter vorne als das Orchester. Man muss irgendwie geschmeidig bleiben zwischen dem eigenen Band-Herzschlag und dem Herzschlag des Orchesters. Das ist etwas, das wir wohl noch länger hätten trainieren müssen. Für uns, aber auch für das Orchester, war dies eine neue Erfahrung.
hitparade.ch: Bei Songs wie "w.nuss vo Bümpliz" oder "9-10-100-4" musste man ja wahrscheinlich nicht so viel umarrangieren, die haben ja bereits klassische Elemente wie Streicher drin. Aufgrund welcher Kriterien hast Du entschieden, welche Songs bei diesem Konzert gespielt werden sollen?
Büne Huber: Das habe ich nicht alleine entschieden, da waren verschiedene Aspekte wichtig. Mich persönlich hat die Welt von "Vohinger u Vovor" interessiert, denn da ist keine klassische Attitüde im Song vorhanden. Bei der w.nuss war ich mir sicher, dass es funktioniert, das kann fast nicht schiefgehen. Auch bei Scharlachrot war ich mir sicher, dass es hinhauen wird, ausser vielleicht was geschmackliche Entgleisungen angeht. Und wie Du sagst, hat auch "9-10-100-4" eine klassische Attitüde. Aber "Vohinger u Vovor" hat das überhaupt nicht, der Song geht schon eher in die Punk-Rock-Richtung. Und genau das hat mich interessiert. Man weiss ja nicht, obs funktioniert und man fragt sich, ob es möglich ist, die Energie des Songs gemeinsam mit einem Orchester richtig rüberzubringen. Es war extrem schwierig. Wir wussten bis zum Schluss nicht, ob wir den wirklich spielen können. Am Samstag Nachmittag hatten wir noch Soundcheck und hatten beschlossen, den Song dort noch zu spielen. Sollte er dann nicht funktionieren, würden wir in canceln. Und wir hätten ihn tatsächlich canceln sollen, doch irgendwie wollten wir in dann einfach trotzdem - oder genau deswegen - spielen. Die Leute dürfen ja auch hören, dass gewisse Sachen nicht funktionieren, schliesslich machen wir ein Experiment. Und dass wir es dann einfach ausprobiert haben, das fand ich geil.
hitparade.ch: Auf der CD klingt's eigentlich sehr gut...
Büne Huber: (lacht) Ja, aber es ist kein Punk mehr.
hitparade.ch: "21 Gramm" klingt auch toll!
Büne Huber: Bei dem Song hatte ich schon immer ein Augenzwinkern. Schon, als ich ihn geschrieben habe, hatte ich das Gefühl, dass man um diesen Song einen richtigen pathetischen Turm bauen müsste. So richtig mit Orchester, dass es klingt wie in den 70er Jahren beim Eurovision Song Contest, als Bands gemeinsam mit Orchestern gespielt haben, alles so richtig aufgebauscht. Und nun stand da ein föhnfrisierter Dirigent in einem beigen Hosenanzug und Hemd mit breitem Kragen und mit wuchernden Koteletten... das hatte genau diesen Groove, den ich schon immer mochte. Also dachte ich, jetzt kann man das mit dem Song "21 Gramm" tatsächlich so machen. Deswegen hatte ich darauf bestanden, dass der ins Programm kommt. Den haben wir jetzt mal so richtig aufgetürmt.
hitparade.ch: Apropos Eurovision Song Contest... Was hältst Du davon?
Büne Huber: (lacht). Ich schaue das nicht. Ich bin mal mit Böbu in Nizza gewesen und da haben wir geschaut, als diese finnische Band mit den Horror-Masken gewonnen hat, Lordi hiessen die. Da haben wir uns göttlich amüsiert und haben uns den ganzen Contest angeschaut. Mit viel Spass. Aber ich schaue das sonst nicht. Letztes Jahr habe ich Michael von der Heide aus freundschaftlichen Gründen die Daumen gedrückt. Aber ich habe keinen Bezug zu diesem Contest.
hitparade.ch: Ich habe gelesen, dass Du vor dem Konzert ziemlich nervös gewesen sein sollst. Bist Du vor Patent Ochsner Konzerten immer nervös, oder hat Dich dieses musikalische Experiment besonders zappelig gemacht?
Büne Huber: Es war eine andere Art von Nervosität. Ich war ja in den Proben dabei und habe erlebt, wie die Songs auseinanderdriften. Als Sänger steht man da einfach in der Mitte mit einem Scheinwerfer im Gesicht und alle sehen Dich an und denken "Shit" (lacht). Das sieht so was von doof aus. Und wenn das ganze Spektakel tatsächlich schief läuft, dann sehen vor allem wir blöd aus, das Orchester nicht unbedingt. Das muss man einfach sehen. Dann fällt Hohn und Spott über uns (lacht). Und das Orchester geht am nächsten Tag schon wieder zu einem anderen Projekt. Das liegt in der Natur der Sache. Und das hat mich schon sehr nervös gemacht. Am Anfang des Konzertes war es sehr deutlich spürbar, irgendwann hat es sich dann ein wenig gelegt. Aber ich bin die Nervosität nicht ganz losgeworden, bis zum Ende nicht. Auf einer Ochsner-Bühne passiert das nicht, dort bin ich in der Regel nach ein oder zwei Songs meistens gelandet. Aber hier ist die Anspannung bis zum Schluss geblieben, denn man muss einfach geschmeidig bleiben in diesen Welten. Und man muss enorm aufpassen. Ich konnte auch nicht viel zum Publikum sprechen, ich musste versuchen, bei den Songs zu bleiben. Es geht ja um die Musik und nicht um's Entertainment. Also habe ich einfach versucht, schön in den Songs zu bleiben.
hitparade.ch: Was verbindet Dich persönlich mit klassischer Musik?
Büne Huber: Man glaubt es kaum, aber ich höre das viel. Und vor allem seit wir klassische Musikerinnen in der Band haben, wie das Cello oder die Geige, bekomme ich viele Anregungen. So kann ich Werke kennenlernen, von denen ich nicht gewusst hatte, dass sie überhaupt existieren. Das inspiriert mich sehr!
hitparade.ch: Auch moderne Klassik?
Büne Huber: Gerade in der modernen Klassik hat es viele Elemente, die ich vorher nicht gekannt hatte, und die mich sehr interessieren.
hitparade.ch: Nun ist nebst der CD mit der Live-Aufnahme vom 28. August auch eine DVD mit dabei. Was kann man auf diesen beiden Tonträgern alles finden?
Büne Huber: Es ist eigentlich das ganze Konzert zu sehen. Es fehlt kein einziger Song auf der DVD. Einzig die Reihenfolge haben wir ein wenig anders platziert. Die Reihenfolge der Songs hat nicht genau so stattgefunden, wie auf der Scheibe zu hören ist. Wir sind einfach zum Schluss gekommen, dass der dramatische Bogen auf der Scheibe so nicht funktioniert, wie es live auf dem Bundesplatz funktioniert hatte. Dort hatte es gut funktioniert. Es war so aufgebaut, dass das klassische Orchester zuerst gespielt hatte, dann sind wir dazugekommen, danach haben wir noch einen Part alleine gemacht und am Ende kam "Scharlachrot" als Zugabe. Dieser Bogen hat an diesem Abend in sich funktioniert. Auf der CD wirkte es nicht mehr so stark, also haben wir leichte Veränderungen vorgenommen.
hitparade.ch: Im nächsten Frühling wirst Du mit Ändu Hug, Disu Gmünder und Wolfgang Zwiauer gemeinsam einige Clubkonzerte spielen. Ich habe gelesen, dass damit ein Traum für Dich in Erfüllung geht. Inwiefern?
Büne Huber: Weisst Du, mit den Ochsners haben wir inzwischen ein riesiges Songrepertoire, doch es gibt so viele Songs, die stiefmütterlich behandelt werden und auch den grossen Ochsner-Bühnen praktisch nicht mehr vorhanden sind. Songs, die in grosse Hallen gar nicht passen würden. Bereits vor zwei Jahren kam der Moment, in dem ich sagte, wie gerne ich wieder einmal auf eine Kleintheater-Tour gehen möchte. Ich möchte mit den Jungs wie in einem Sandkasten mit der Musik spielen, Spass haben, Geschichten erzählen, basteln... So wie man das als Kind macht. Dies möchte ich wieder einmal machen. Und ich möchte, dass die Songs, die in den letzten Jahren stiefmütterlich behandelt worden sind, auf diese Weise wieder eine Plattform erhalten. Und dabei kann man auch selber wieder neue Entdeckungen machen. Ich freue mich extrem.
hitparade.ch: Sind das also auch Songs aus "Schlachtplatte"-Zeiten und "Gmües", "Stella Nera"...
Büne Huber: Ja genau! Da rede ich beispielsweise von der Trilogie "Schuumbad". Die drei Stücke spielen wir schon seit vielen Jahren nicht mehr auf der Ochsner-Bühne. Mir gefällt diese Welt musikalisch, und auch die Geschichte mag ich sehr. Wir reden auch davon "Pfeuti" zu machen. Die klassische Hit-Welt von Patent Ochsner wird an diesen Anlässen nicht stattfinden. Damit machen wir jetzt eine Pause und geben den anderen Songs diesen Raum.
hitparade.ch: "Los" fände ich sehr schön!
Büne Huber: Zum Beispiel! Der ist auch im Rennen. Aber im Moment sind es über 40 Songs, die im Rennen sind. Normalerweise sollten es etwa 20 bis 25 Songs sein. Ich freue mich sehr!
hitparade.ch: Wie weit seid Ihr mit dem zweiten Teil der Trilogie "The Rimini Flashdown"?
Büne Huber: Wir werden genau in der Zeit dieser kleinen Tournee gemeinsam anfangen zu arbeiten. Zwischen Februar und April werden wir anfangen die ersten Sachen zu machen. Das ist der Plan.
hitparade.ch: Aber Du hast sicher schon was, oder?
Büne Huber: Ja, das schon. Ich habe auch noch Material von Part I. Momentan bin ich aber damit beschäftigt, vieles wieder umzuschreiben. Es wird mir auf jeden Fall nicht langweilig.
interview
16.August 2009
Patent Ochsner haben mit ihrem Auftritt in Gampel ihre erfolgreiche Tournee abgeschlossen. Wir haben Büne Huber zum Interview eingeladen.
hitparade.ch: Euer neues Album "The Rimini Flashdown" wurde im Radio ziemlich stark präsentiert. Normalerweise wurde mehrheitlich "Fischer" oder "w.nuss" gespielt, nun hört man oft "Tiger", "Globetrotter" und "Chäuer". Ist das eine Promo-Strategie oder ist euer Album in den Radio-Stationen einfach so gut angekommen?
Büne: Vielleicht, ich weiss es nicht genau. Ich bin oft im Auto unterwegs und dann höre ich einen Song und denke: "Wieder dieser Song". Dabei hätte zu dem Thema vielleicht ein anderer Song besser gepasst. Wir haben Schwein, weil wir einige Hits geschrieben haben. Doch ich mache mir eigentlich nicht sehr viele Gedanken um solche Dinge. Es ist auf jeden Fall keine Promo-Strategie dahinter.
hitparade.ch: Es gab ja auch ein Showcase im DRS 3 Studio
Büne: Gen
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au! Ich habe wirklich total Freude an diesem Album. Irgendwer hat irgendwo geschrieben, dass dies die stärksten 15 Minuten im Schweizer Musikschaffen seien, den Part von Blue September bis zum Schluss des Albums. Eine solche Dichte wie dort, das hatten wir vorher noch nie zustande gebracht. Daran habe ich wirklich grosse Freude.
hitparade.ch: "The Rimini Flashdown" ist ja der erste Teil einer Trilogie. Wie bist du darauf gekommen?
Büne: Ich habe während meiner Arbeit am neuen Album einfach gemerkt, dass der Topf meiner Songs aus einem Kern wächst. Da dachte ich mir: Jetzt mache ichs! Jetzt ziehe ich das durch, ich möchte eine Trilogie machen, die Songs weiter wachsen lassen. Es wird ein Panoptikum am Schluss. Ich freue mich darauf! Beim Part 2 bin ich eigentlich schon sehr weit, aber die Texte sind noch richtig schlecht.
hitparade.ch: Das kann doch gar nicht sein
Büne:
doch! Richtiger Bullshit (lacht). Wenn ich ehrlich bin, würde ich am liebsten Morgen schon ins Studio, aber das wäre nicht klug. Wir werden auf jeden Fall nächstes Jahr im Studio sein und ich denke, so Anfang 2011 wird der zweite Teil erscheinen. Ich hoffe es. Aber man weiss es ja nie.
hitparade.ch: Ihr hattet eine unglaublich umfangreiche Tour dieses Jahr und auch im Sommer an zahlreichen Festivals gespielt. Woher nehmt ihr die Energie dafür?
Büne: Dafür brauchen wir keine Energie. Ich finde, Energie braucht es, wenn man am Montag Morgen um sieben Uhr bei der Arbeit sein muss, arbeitet, am Mittag eine Stunde Pause hat, dann weiterarbeitet bis fünf Uhr und das bis am Freitag und dann nur zwei Tage Pause hat. Das kostet Energie. Und wir? Wir hatten diese Woche frei und nur heute 75 Minuten lang gespielt. Wir hätten auch gerne noch länger gespielt.
hitparade.ch: Welches ist der Song, der euch am meisten verkörpert? Einen richtig typischen Patent Ochsner Song?
Büne: Das ist eine schwierige Frage. Wenn das so einfach wäre, dann würde man vielleicht im Leben eines Hanspeter Huber einfach einen Song schreiben, der wäre dann die Erkennungsmelodie. Ich glaube wenn man die Ochsners anschaut, dann ist es eben das Gesamte, ein Elexier, eine hochpotente Lösung. Ich kann nicht etwas herausnehmen und sagen: Das ist es! Beispielsweise "Schlächte Verlüürer" ist meines Erachtens einer der schönsten Songs, die wir je gemacht haben. Auf der Bühne haben wir ihn ja nicht annähernd spielen können und haben kapitulieren müssen. Der Song hat sehr viel mit mir zu tun, doch er wäre nie alles. Ein Song, der wirklich überlebt in seiner Intensität ist "Bälpmoos". Ich werde immer so ein Fernweh-Mensch sein, der unterwegs ist und zigeunert. Der Song ist mir nie verleidet und dort ist eine enorm starke Essenz meines Wesens drin. Aber es wäre auch zuwenig.
hitparade.ch: Was ist eigentlich aus den roten Turnschuhen geworden aus "Villechlanysolasy"? (Büne Huber wollte immer joggen gehen um fit zu werden, schaffte es aber meist immer nur bis auf den Balkon - Anekdote zum Song "Villechlanysolasy".
Büne: Die sind verkauft worden. (lacht). Die werden nie mehr zum Einsatz kommen. Interessiert dich nicht, wo die atmungsaktiven Unterhosen geblieben sind? (lacht).
hitparade.ch: Doch, das wäre auch spannend zu erfahren :
Büne: Eben :
hitparade.ch: Was ist dein aktueller Soundtrack im Auto?
Büne: Es hängt sehr von meiner Tochter ab, denn sie ist de DJ im Auto. Momentan steht sehr oft Peter Fox auf dem Programm und Maria Mena. Und ich muss sagen, ich bin eigentlich mit Beidem sehr zufrieden. Die mag ich sehr. Peter Fox habe ich nun jedesmal an den Festivals verpasst, weil ich immer jeweils einen Tag nach ihm gespielt habe.
hitparade.ch: Nächstes Jahr besteht eure Band 20 Jahre. Feiert ihr das irgendwie?
Büne: Ja, wir machen Pause (lacht). Nein, ich denke das relevante Datum wird der 8. Oktober 2011 sein. Am 8. Oktober 1991 ist unsere erste CD Schlachtplatte herausgekommen. Das ist der entscheidende Punkt. Von dort an hat sich unser ganzes Leben verändert. Wir waren zwar schon vorher Patent Ochsner aber niemand wusste das. (lacht). Am 8. Oktober werden wir auf jeden Fall die Korken in die Luft schiessen.
interview
24.Juli 2008
Am 29. August 2008 veröffentlichen Patent Ochsner ihr siebtes Studioalbum "The Rimini Flashdown - Part One". Wir haben Büne Huber an einem schönen Sommertag zum Interview getroffen.
Unser letztes Interview ist mittlerweile drei Jahre her. Dazwischen wart ihr auf Tour und du bist mit dem Swiss Jazz Orchestra aufgetreten. Was hast du in dieser Zeit noch alles gemacht, ausser dem neuen Album?
Kaum hatte die Tour aufgehört, wurde ich ziemlich "alltäglich". Dann wurde es meine Hauptbeschäftigung, für das neue Album zu arbeiten. Das bedeutete viele Bücher zu lesen, viel Inspiration zu suchen, Filme zu schauen, oder das was man sonst noch so brauchte. Einfach das zu tun, wo es dich hinzieht. Und ansonsten? Kochen! Für die Tochter zum Beispiel.
Wie und wo sind Dir bei diesem Album die Ideen zugeflogen? Gibt es spezielle Geschichten?
Es gibt eine Geschichte, die mir dazu einfällt: Seit der dritten Klasse bin ich schlafges
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tört. Manchmal in ganz dramatischen Formen. Seit nun zwei Jahren habe ich einen Weg gefunden, wie ich schlafen kann. Ich bin in der glücklichen Position sagen zu können, dass ich dieses Problem nun besser im Griff habe. Ich weiss nun woher es kommt, und kann es so auch besser ertragen. Und wenn es nicht da ist, dann freue ich mich darüber. Und wenn ich schlafen kann, dann habe ich natürlich auch Träume. Diese Träume sind für mich nun zu einer Inspirationsquelle geworden, das hatte es früher natürlich nicht gegeben. Den Refrain des Songs "21 Gramm", den habe ich geträumt. Das fand ich total lustig. Mitten in der Nacht träumte ich: "Wo genau simmer hie, isch das dr Rand vor Ärde, gheie ne mit em nächschte Schritt is bodelose Nüt". Der Witz der ganzen Geschichte ist: Ich bin aus dem Bett gefallen! Einen Moment lang balanciert man schlafend an der Bettkante, träumt sowas und fällt runter - ich bin erwacht und bin fast verreckt vor Lachen. Es war einfach so fassbar. Ich bin sehr stark aus dieser Traumwelt herausgekommen, sehr inspiriert aus der Fellini-Filmwelt. Denn in dem Traum ging es auch um Federico Fellini. Er taucht auf, ich rede mit ihm, und sage: "Ich habe ein Problem, ich habe nicht einmal einen Arbeitstitel für die neuen Songs". Und er sagt zu mir: "Ich bin mir sicher, die Scheibe muss Rimini Flashdown heissen." Und am nächsten Tag dachte ich mir: Wenn Federico Fellini dir sagt, dass die Scheibe so heissen soll, dann sei kein Idiot und höre auf ihn. Es ist nicht mehr und nicht weniger, also: Merci vielmals! Die Träume waren ein starker Input bei diesem Album.
"Rimini Flashdown" ist ein eher ungewöhnlicher Titel für eine Patent Ochsner Platte. Hattest du nie das Gefühl, dass ein englischer Titel vielleicht nicht passt?
Sicher habe ich im ersten Moment darüber nachgedacht, aber wie gesagt, das war einfach der Augenblick. Es muss ja nicht immer alles nachvollziehbar und in sich logisch sein. Es ist auch eine Form von Realität, dass sowas passiert. Und wir haben zum Glück einen Job, bei dem man kreieren und machen kann, was man gerne möchte. Und wenn ich einen chinesischen Titel möchte, dann kommt halt einfach ein chinesischer. Das ist halt so! Und dann kann ich erklären, wieso ich diesen Titel für den Richtigen halte. Auch wenn dann wahrscheinlich alle fragen würden, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe (lacht). Zum Glück gibt es eine Plattform, wo wir machen können, wonach uns ist. Es gab schon einige Menschen, die gesagt haben, sie können nicht verstehen, weshalb die Ochsners auf einmal so einen Titel haben. Und ich habe gesagt: Ich auch nicht! Der Fellini hat's doch gesagt!
Hast du denn jetzt immer einen Notizblock neben deinem Bett, und schreibst nach dem Aufwachen sofort deine Träume auf?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt einfach einzelne Sachen, die wirken nachhaltig. Aber der Refrain von "21 Gramm", den musste ich aufschreiben, da er bereits einen Reim hatte. Ich hatte das noch nie zuvor erlebt, dass ich einen so realen Traum hatte, und dazu einen Text träume, der sogar noch Reimformen hat. Das musste ich einfach aufschreiben, es war so schräg. Es gibt natürlich Sachen, die so stark wirken, dass sie noch tagelang nachhallen. Wenn du im Traum in eine lebensbedrohende Stresssituation kommst, dann wachst du doch manchmal auf und denkst "Puh, gerade noch entkommen". Der Körper hat wahrscheinlich tatsächlich dieses lebensbedrohende Gefühl durchlebt. Der Kopf schaltet dieses Gefühl dann vielleicht aus, der Körper trägt es aber noch einige Zeit mit. Solche Sachen finde ich sehr spannend. Ich habe auch manchmal an Dingen gearbeitet, und plötzlich ist so ein Impuls wieder aufgetaucht.
Ist es mit den Jahren einfacher geworden, Songs zu schreiben? Hinter Dir steht immerhin eine riesige Fangemeinde, die immer darauf wartet, wieder neue Songs von Dir zu hören.
Das ist unterschiedlich. Ich hatte beispielsweise einen Song, der im Dezember entstanden ist. Zuerst war ich absolut begeistert davon. Doch mit der Zeit fand ich den Song einfach nur noch Quatsch. Immer mehr spürte ich, dass ich mit dem Text noch nicht an dem Punkt angekommen war, an dem ich hätte sein müssen. Also machte ich einige Tage Pause und nahm mir vor, im Januar noch einmal richtig intensiv daran zu arbeiten. Und je länger ich daran gearbeitet habe, umso schlimmer wurde der Song. Er wurde mit jeder Version einfach noch ein bisschen beschissener als vorher. Und diesen Zustand fand ich furchtbar. Es wurde immer wieder eine Kopie von sich selber, wurde immer plakativer und blöder. Und ich hatte ab und zu einen Moment der totalen Kapitulation. Und ich wollte aufgeben und sagen: Es wird einfach nichts. Und am Schluss fällt dir der Song vor die Füsse, ohne irgendwas gemacht zu haben.
Du hast ja einen Song auf dem Album, der heisst "Gruusigs Lied". (Das isch es huere gruusigs Lied wo sich säuber wichtig macht). Auch Züri West hatte ja Probleme mit den "haube Songs", die sich schon in den Charts sehen. Inspiriert das denn zusätzlich, wenn man bei einem Song nicht weiterkommt?
Das gruusige Lied ist entstanden, bevor "Haubi Songs" draussen war. Aber es kann auch damit zu tun haben, dass Kuno und ich im vergangenen Jahr sehr viel miteinander zu tun hatten. Wir sind immer im gleichen Auto angereist, als wir für das Jazz Orchestra unterwegs waren. Wir sind uns viel näher gekommen als in den vergangenen Jahren. Früher hat man sich eher zufällig angetroffen, jetzt haben wir viel mehr voneinander mitbekommen. Wir haben auch gemerkt, dass wir aus ähnlichen Quellen Inspiration schöpfen. Wir sind etwa gleich alt, so ergeben sich auch viele gemeinsame Themen. Es kommt darauf an, wo man steht im Leben.
Auch Züri West stand in Rimini - am Bahnhof. Und du am Strand. Was hat es mit Rimini auf sich?
Es ist so, dass ich vor vielen Jahren mal im Januar dort war. Ich wollte immer wissen, wie die Städte an der Adriaküste, die im Sommer immer dermassen überbevölkert sind, im Januar aussehen. Am Meer war diese Stadt wie eine Art Geisterstadt. Hinten im Landesinneren gab es zwar Menschen, aber am Strand, wo im Sommer der Bär tanzt, ist einfach nichts. Es gab mir ein apokalyptisches Gefühl, es herrschte Weltuntergangsstimmung. Als hätte es einen Atomschlag gegeben und ich hätte es nicht mitbekommen. Ich war total alleine dort. Und dies sind natürlich reizvolle Bilder, um Texte zu machen. In dieser stillen Stimmung kam dann der Moment der Kreation auf. Und die Liebe konnte wieder wachsen. Der Song klingt ein bisschen nach Altersheim. (lacht).
Du hast während den Studioaufnahmen an einem Studiotagebuch geschrieben, das man im Internet mitverfolgen und lesen konnte. Viele Künstler jammern ja oft, wie anstrengend das Produzieren im Studio ist. Wie hast du das erlebt? Wie hattest du noch Zeit, so ein Tagebuch zu schreiben?
Ich habe Bärenkräfte! Normalerweise sagt man den Männern ja voraus, sie können nicht multitasken. Ich kann aber tatsächlich, während wir im Studio sind, ein Tagebuch schreiben, Songs schreiben, musikalisch eingreifen, singen, spielen, fotografieren. Wenn du ein Klima der Kreativität schaffen kannst, ist es erstaunlich, was für eine Power du entwickeln kannst. Aber die meisten Menschen, die ich kenne, die wissen gar nicht, was für Kräfte in ihnen stecken.
Wie habt ihr euch seit "Liebi, Tod und Tüüfu" weiterentwickelt? Uns kommt das Album radiotauglicher vor...
Ich habe mich von diesem arbeitsschöpferischen Prozess, in den die ganze Band involviert ist, distanziert. 2004 habe ich gesagt, dass ich so nicht arbeiten kann. Ich kann nicht in einem Kollektiv von sieben Leuten, die alle reinreden können, arbeiten. Ich arbeite mit einem ausgewählten Produzenten zusammen, und von dort aus geht's dann weiter. Ich möchte, dass eine deutliche Handschrift erkennbar ist. So dass die Songskizze als Bild noch erkennbar ist. Ich kann mich nicht mehr auf Spässe einlassen, dass aus einem Walzer ein Cha Cha Cha oder ein Samba wird. In der alten Ochsner-Form war das noch möglich, damals hatte mich fasziniert, dass man Songs misshandeln kann. Und heute geht das nicht mehr. Die Zusammenarbeit zwischen Andy Hug und mir wurde nun intensiver und wilder. Und ich hatte das erste Mal den Nerv, die Dinge einfach laufen zu lassen. Der Tontechniker Helge van Deik, Andy Hug und ich haben extrem in die Songs eingegriffen, die anderen der Band waren im Studio und haben geholfen alles umzusetzen. Die Handschrift ist nun noch deutlicher "Hug / Huber". Auch die Tatsache, dass wir analog, also mit Band, aufgenommen haben, hat uns extrem inspiriert. Es ist eine ganz neue Klangwelt. Am liebsten würde ich gar nicht anders arbeiten, aber irgendwann wird es leider diese Bänder nicht mehr geben.
In einem Song singst du: "E ha no lang ned aus entdeckt, wo sich vor mier hed versteckt". Was würdest du musikalisch gerne noch entdecken?
Ich weiss zum Glück noch nicht, wo die nächste Scheibe landen wird. Aber ich weiss, dass wenn man richtig zusammenfindet, dass einen Impulse dann in die richtige Richtung treiben werden. Und dort machst du dann Entdeckungen. Und das ist es, worum es geht: Dass immer wieder an verschiedenen Orten Überraschungen warten. Und du musst soweit offen sein, dass diese Überraschung reinkommen kann.
Am Schluss wird die Platte ja ziemlich melancholisch. Wieso habt ihr die Songs so angeordnet, dass die CD so ausklingt?
Einer der ersten Songs war Apollo 11. Und ich wusste sehr früh, dass dies das Ende der Scheibe sein wird. Und auch bei "21 Gramm" wusste ich früh, dass er der Bogen zu "Apollo 11" sein wird. Denn bei "21 Gramm" gibt es einen Instrumentalteil, der sich durch ein Orchester aus Streichern immer weiter aufbaut. Das war der perfekte Übergang. Dieses "über den Rand der Erde kippen" ist eine Todesmetapher. Aber auch im Sinn einer Befreiung. Mir gefiel das Bild, über den Rand zu kippen, über die Milchstrasse zu schweben, frei zu fliegen. Und da nehme ich Bezug zu den ersten starken Bildern, ich, sieben Jahre alt, mit meinem Vater, sitze auf dem Balkon im Jahr 1969 im Sommer, in genau dem Augenblick als Neil Armstrong den ersten Schritt auf den Mond macht. Ich stand da mit einem Gefühl der innigen Nähe zu meinem Vater und wir haben uns den Mond angesehen. Das ist eine Geschichte, die mich nie wieder verlassen hat. Seit Jahren wusste ich, dass ich dieses Gefühl irgendwann in einem Song umsetzen werde. Nun war es soweit. Und es war mir sehr wichtig, dieses Bild einmal umsetzen zu können. An Melancholie habe ich dabei aber eigentlich nicht gedacht. Es ist dann einfach so passiert. Das Album startet sehr positiv und lebendig, und irgendwann kippt das Ganze dann. Genau wie es auch bei "Liebi, Tod und Tüüfu" auch passiert ist. Was ich allerdings nicht ausstehen kann, ist, wenn Etwas total Positives auf einmal "pfft" gebrochen wird durch was Trauriges, und dann plötzlich wieder lustig wird und so. Man muss einfach eine Kraft ausnützen, die ein Song auslöst.
Das Album dauert 10 Minuten länger als die meisten CDs. Viele Künstler sagen, dass man nach 45 Minuten müde ist und nicht mehr zuhören kann. Achtest du dich auf solche Sachen?
Ich würde eine Scheibe eigentlich lieber nicht länger als 45 Minuten machen. Es stimmt, es hat mit der Konzentrations-Aufmerksamkeitsspanne zu tun. Auch dieses Mal war das so geplant. Ich dachte immer, dies sei ungefährt der Umfang, in dem sich die Songs bewegen. Und dann ist man im Studio, es herrscht Dynamik, man ist am Spielen... dann kann man ja nicht sagen, komm wir brechen hier ab, wir haben ja gesagt nur 45 Minuten. Es entsteht einfach so, und dann ist es so. Dazu kommt, dass mir am Ende zwei Songs einfach noch vor die Füsse gefallen sind. Zuerst dachte ich, die können warten. Aber ich musste sagen: Nein, die gehören da rein!
Kurz vor dem Release habt ihr noch zu Universal Music gewechselt. Wieso das?
Wir hatten damals zum Musikvertrieb gewechselt, weil es bei Sony BMG einen Zusammenschluss gegeben hatte. Und die Leute, die uns wichtig gewesen sind, die gingen zum Musikvertrieb. Nach einem Jahr sind die dort aber wieder ausgestiegen. Und der Musikvertrieb macht mir nicht den Eindruck, als könnten sie unser Werk würdig vertreten.
Das erste Lebenszeichen von euch gab's beim Start der Euro 08. Wie war es für dich, endlich wieder auf der Bühne zu stehen?
Es war sehr schwierig für mich. Wir waren zu dieser Zeit im Studio, und da arbeitet man einfach mit einem anderen Fokus. Und so eine Festivalbühne war eher grobmotorisch. Das war einfach der Eindruck. Einerseits hat es mir sehr gefallen, dass die Band so präsent war, auf der anderen Seite merkte ich, dass ich mit meinen Gedanken bei der neuen Scheibe bin. Ich war nicht wirklich dort, ich war eigenartig abgespacet. Und sowas macht mich nicht glücklich, ich möchte an einem Ort präsent sein. Ich hatte mich einfach von dieser Scheibe nicht abgekoppelt, wird sind direkt vom Studio auf die Bühne gegangen.
Wie gross soll eure Tour werden?
Ich weiss es nicht genau. Wir starten irgendwie Ende Oktober und dann geht's bis zu Weihnachten hin, ich glaube bis zum 23. Dezember. Dann gibts eine Pause, und im Februar gehts dann weiter. Ich glaube es sind an die 50 Konzerte bis im Juni. Aber ich weiss es nicht genau auswendig.
Was werden die Fans Neues erleben an eurem Konzert?
Wir planen ein kulinarisches Making Of zu machen. Was haben wir während den Studioaufnahmen alles gegessen? Das wird dann so eine Art Kochbuch, wo man Rezepte nachkochen kann. (lacht). Das Essen war etwas sehr Wesentliches in der Zeit, in der wir aufgenommen haben.
Was würdest du sagen, wie sich das Musikbusiness der Schweiz weiterentwickeln wird?
Es gibt immer wieder Leute die Songs machen und an die Leute bringen wollen. Es gibt einige Wenige, die wirklich neue Impulse geben, eine eigene Sprache suchen und neue Dinge kreieren. Es gibt auch einige, die ganz öde immer nur das machen, was man schon lange kennt. So wird es sicher werden. Was die Plattenfirmen dabei für eine Rolle spielen, weiss man nicht so genau. Es wird immer in Bewegung bleiben, einen grossen Teil hört man sich an und man kennt es bereits, und einiges wird überraschen. Es gibt Leute wie eine Sophie Hunger, es gibt Kutti Mc, es gibt Leute die eine eigene Form finden, die vielleicht nicht einmal so sehr in die Breite geht, die aber eine eigene Sprache, Ausdruck und Substanz haben. Und um die geht es.
interview
01.August 2006
hitparade.ch: Liebi, Tod + Tüüfu ist ja im September 05 erschienen. Wie lange müssen die Fans auf euer nächstes Werk warten?
Büne: Also, im November, Dezember gehen wir nochmals in Clubs bis Weihnachten. Erstaunlicherweise, was für mich gar nicht üblich ist, habe ich bereits während dieser Tour wieder mit Songs schreiben begonnen. Normalerweise gibt es das nicht, bisher hat es dies jedenfalls nicht gegeben. Aber gell, vielleicht ist das ja alles Schrott! Ich weiss es wirklich noch nicht. Nächstes Jahr sind wir spielfrei und ich nehme an, wir werden nächstes Jahr wieder zu arbeiten anfangen.
hitparade.ch: Rückblickend auf deine Karriere: Hast du einen absoluten Lieblingssong?
Büne: Das ist wirklich schwierig. Das ist etwas, das sich immer bewegt. Meinen aktuellen Lieblingssong spielen wir normalerweise auch. Nur jetzt im Moment eben leider nicht.
hitparade.ch: De "Schlächt Verlüürer"?
Büne: Genau. Wir kriegen ihn e
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infach nicht hin. Ich weiss auch nicht. Wenn man im Studio ist, herrscht eine solche Konzentration auf etwas. Es gibt einen Fokus auf den Inhalt eines Songs mit all seiner Zerbrechlichkeit. Und damals ist uns dieser Song einfach so gut geglückt, dass wir uns letztendlich an diesem Ergebnis messen. Auf der Bühne haben wir ihn einfach nicht hinbekommen, nicht einmal annähernd. Und irgendwann kapituliert man einfach. Natürlich ist man in diesem Moment einfach enttäuscht, es ist einfach schade. Scheisse, oder? Wir kriegen ihn nicht hin, wie er mir vorschwebt. Wir haben ihn in anderen Formen gespielt, wo vielleicht jemand sagen würde: Ja ja, der ist stark. Aber wir kriegen diese Intensität nicht hin. Ich habe absolut keine Ahnung, ich weiss nicht mal ansatzweise, woran es liegt. Das ist enttäuschend. Solche Sachen passieren immer wieder. Ich kann mich gut erinnern, als es um "Gmües" ging, da haben wir "Jänner" einfach nicht hinbekommen. Der hat einfach immer scheisse geklungen. Der hatte nicht ansatzweise etwas davon, was ich gesucht habe. Und danach gab es eine Zeit, wo wir diesen klar in unserem Programm hatten. Das gibt es halt, damit muss man irgendwie leben und halt manchmal auch demütig damit umgehen. Es ist nicht sehr einfach zu ertragen.
hitparade.ch: Hörst du dir deine alten Platten häufig an?
Büne: Nein, die laufen bei mir zu Hause eigentlich nicht. Immer nachdem du eine Platte gemacht hast, beginnst du dir Gedanken zu machen und wie die Tour aussehen könnte und das sind Momente, in denen ich die alten Sachen sehr intensiv höre. Aber ich muss es mir nicht unbedingt anhören um zu wissen, wohin es mich zieht. Ich muss ein bestimmtes Gefühl entwickeln und dafür höre ich es mir an. Und dann gibt es auch den Fall, dass ich dazu gezwungen bin, es zu hören. Meine Tochter hat manchmal Phasen in denen sie wahnsinnig Patent Ochsner Fan ist und es sich dauernd anhört. Aber das hört glücklicherweise auch manchmal wieder auf.
hitparade.ch: Was bedeuten für dich Liebe, Tod und Teufel?
Büne: Für mich ist es so: Liebe, in der ehrlichsten und direktesten Form, das ist das Zentrum vom Leben. Es sind eigentlich alle drei Begriffe starke Symbole in einem Leben. Auch immer mit dem konträren Bild natürlich. Liebe, Hass, Verachtung, genau gleich wie Tod auch Leben heisst. Man kann leben, wenn man den Tod akzeptiert. Er ist Bestandteil des Lebens. Oder Teufel bedeutet in positiver Form auch etwas Göttliches. In einem spirituellen Sinn. Es sind ganz zentrale Begriffe meines Lebens, es ist ja nicht für alle gleich. Obschon das mit Gott, das funktioniert bei mir überhaupt nicht. Religiosität hatte für mich noch nie etwas mit der Kirche zu tun. Das sind für mich Sachen, die mich wahnsinnig ergreifen. Ich weiss nicht, ob man einer Geburt beiwohnen kann, ohne spirituelle Erfahrung. Das gibt es wahrscheinlich schon, aber für mich nicht. Als unsere Tochter zur Welt kam, war ich in einem wahnsinnigen Masse beeindruckt von dieser Schöpfung, die irgendwo auf einmal spirituell wird. Ich meine, da kommt ein Mensch auf die Welt und du weisst, da kommt irgendeine Zukunft. Das ist derart intensiv. Deswegen fällt es mir schwer, es dann in einen kirchlichen Kontext zu stellen. Da war ich immer fremd.
hitparade.ch: Auf hitparade.ch gibt es ein Forum, wo die User über die w.nuss von Bümpliz und ihre Bedeutung diskutieren. Eine Theorie beispielsweise lautet, der Song sei pervers zu verstehen, von wegen "d'Spargle wachsed i Bluetjung Morge".
Büne: So pervers ist das nicht, das passiert jedem Mann jeden Morgen! (lacht).
hitparade.ch: Du beantwortest die Frage ja nicht gern, aber kannst du uns vielleicht einen kleinen Hinweis geben? Es geht um eine Frau in deinem Leben, richtig?
Büne: Es geht um eine Frau, das stimmt. Also für mich geht es schon wahnsinnig weit, wenn ich jetzt höre, dass es um eine Frau geht. Ich habe schon gehört, es sei ein Baum oder ein Park in Bümpliz. Oder eine Kindergärtnerin, alles wunderbar. Aber wenn ich das Rätsel jetzt auflösen würde, dann hätte ich einen Spass weniger. Alle diese schönen Definitionen gingen verloren. Aber weisst du, ich mache mich nicht lustig darüber, ich finde es einfach unglaublich lustig, weil der Song für mich glasklar ist. Natürlich sehe ich auch, dass es eine bildhafte Geschichte ist. Eine Aneinanderreihung von emotionellen Geschichten und Bildern ergeben eine Geschichte. Wenn ich diese auflöse, bekomme ich ganz viele Geschichten nicht mehr. Und das möchte ich lieber nicht. Es wäre schade. Ich habe Musik auch immer so gehört. Als ich 15 oder 17 Jahre alt war, habe ich mich wahnsinnig für Texte interessiert. Und ganz viele Dinge von Dylan habe ich einfach nicht kapiert und mir halt meine eigenen Interpretationen gemacht. Jahre später merkst du dann, dass du eigentlich voll "id Schiissi glänged hesch". Das stimmte ja alles gar nicht. Aber trotzdem halte ich an diesen Bildern fest. Das ist etwas, das mir an Texten gefällt. Texte die Spielraum für Interpretationen freilassen.
hitparade.ch: Ist das nicht auch ein Beweis dafür, dass ein Text gut ist?
Büne: Muss nicht sein, es kann ja auch Schrott sein, der bei dir etwas auslöst.
hitparade.ch: Ist denn allen deinen Songs eine Bedeutung zuzumessen, oder gibt es auch Songs, die schlicht nichts bedeuten?
Büne: Im weitesten Sinne ist zum Beispiel "Weischwienimeine" ein Song, der nur aus einer Aneinanderreihung von Floskeln besteht und daher keine tiefe Bedeutung hat. Es sind bloss Worthülsen, die zumindest in Bern oft gebraucht werden. Natürlich hat der Song dann genau dadurch wieder eine Bedeutung. Ich meine, so reden wir halt miteinander. Ganz viele Sachen sind einfach Füllwörter und Füllsätze, aber es ist deswegen nicht bedeutungslos. Ein absoluter Nonsens-Song fällt mir eigentlich nicht ein. Es hat eigentlich immer einen Hintergrund, auch wenn der Song vielleicht Nonsens-mässig wirkt.
hitparade.ch: Eine Frage, die viele Fans von dir beschäftigt: Wie lautet dein Taufname? Heisst du Bernhard? :
Büne: Nein, mein wirklicher Name ist Hanspeter! Am Anfang unserer Geschichte fing jedes Interview so an. Am Anfang musste ich es geheim halten, weil ich ja noch im Telefonbuch stand. Dann war es mir eigentlich recht, dass nicht alle wussten, wie ich heisse. Jetzt mach ich da aber kein Geheimnis mehr draus. Ich habe diesen Namen bekommen, nachdem meine Mutter mit mir aus dem Spital gekommen ist, kurz nach meiner Geburt. Da hat meine Schwester mich "Herr Bünde" genannt, niemand wusste weswegen. Sie hat das irgendwie bei der Wetterprognose aufgeschnappt im Radio, als es um Nord- und Mittelbünden ging. Ich habe dann den Namen behalten. Nicht mal meine Lehrer haben mich Hanspeter genannt. Ich hatte sogar eine Zeit, in der ich mich davon distanzieren wollte, doch das hat nie geklappt. Alle haben mich immer nur Büne genannt.
hitparade.ch: In "Vellechlanisolasy" singst du im Refrain plötzich eine Zeile Züridütsch. Zielst du da auf jemand Bestimmtes?
Büne: Nein nein, das entstand ganz spontan beim "Blöd tue" im Studio. Nein, das ist ein sehr autobiografischer Song.
hitparade.ch: Wie entscheidet ihr, welche Songs ihr an Festivals spielt und welche nicht?
Büne: Weisst du, das mit den Festivals ist immer so eine Sache. Da haben wir eine Zeitvorgabe, heute waren es 70 Minuten, manchmal sind es 90 Minuten, aber länger spielt man selten. Wir haben nur an wenigen Festivals zwei Stunden gespielt. Das muss man dann vorher planen. Heute haben wir in der Garderobe noch Zeugs aus dem Programm geworfen, weil wir gemerkt haben, dass dieses Repertoire wahrscheinlich länger als 70 Minuten dauern würde. Wir waren eigentlich erstaunt, dass wir Scharlachrot noch gespielt haben. Wir dachten eigentlich, vom zeitlichen Ablauf her ist nach der w.nuss wahrscheinlich Schluss. Das entscheiden dann nicht mehr wir, ob wir noch einen Song anhängen können, ab einem bestimmten Punkt kommt die Zeitlimite wo man merkt, man hat noch zwei Minuten und dann geht's halt nicht mehr.
hitparade.ch: Wenn die Fans einen älteren Song wie beispielsweise "Salz & Stahl" oder "los" fordern würden, hättet ihr den überhaupt noch drauf?
Büne: Nein, das könnten wir nicht. Also das hat auch damit zu tun, dass die Band, die jetzt auf der Bühne steht natürlich nicht die ist, die bei der Schlachtplatte auf der Bühne gestanden hat. "Salz und Stahl" hatten wir nie wieder im Repertoire. Find ich ehrlich gesagt kein besonders guter Song. Mir gefällt nur der Refrain: "E lah kes Gheimnis gheim aber vo mer verzeue e nüd".
hitparade.ch: Spielst du lieber an richtigen Patent Ochsner Konzerten oder an Open Airs?
Büne: Es sind irgendwie zwei Paar Schuhe. Das eine ist die grosse Bühne: Das geht nicht spurlos an einem vorbei, wenn da 20'000 Menschen vor einem stehen und Songs mitsingen. Das lässt dich sicher nicht kalt. Aber rein vom Musikalischen her oder von diesem Bogen, den man sich vorstellt, ist es für mich schon viel interessanter, wenn man Vollzeit spielen kann. Ich meine so 2 oder 2.5 Stunden. Da kannst du mehr ausloten. Und der intime Rahmen gefällt mir natürlich grundsätzlich besser.
hitparade.ch: Gibt es wieder einmal ein neues Live-Album von euch zu kaufen? Viele Songs haben sich live ja stark verändert - wie zum Beispiel Fischer.
Büne: Es ist nicht geplant. Wobei, auf dieser Tour haben wir mehrere Konzerte aufgenommen, weil wir plötzlich das Gefühl hatten, genau aus diesem Grund, weil sich soviel verändert hat, müssten wir mal wieder eine Bestandsaufnahme machen. Aber dann habe ich gleich die Lust wieder verloren. Ein Livealbum aufzunehmen heisst in der Grundtendenz, es ist irgendetwas Konservatives. Etwas, das man schon mal gemacht hat in einer neuen Form zu veröffentlichen. Es ist einfach spannender an neue Sachen heranzugehen.
hitparade.ch: Die Fans würde es natürlich freuen!
Büne: Ja vielleicht gibt es zukünftig mal Formen, dass wir mal ein Konzert ins Netz stellen werden, die man als Ganzes herunterladen kann. Da muss man gar nicht immer unbedingt einen auf Verkauf machen. Oder vielleicht Teile davon, ich weiss es auch nicht. Aber im Moment ist es so: Du kannst sagen, komm wir machen ein Live-Album. Und dann bist du anfangs vielleicht euphorisch und dann plötzlich verlässt es einen wieder. Ich bin so ein unsteter Mensch. Alles was neu kommt, interessiert mich dann hundert mal mehr. Natürlich hat der Fischer sich immer wieder verändert, aber ist es denn wahnsinnig wichtig, den auf eine Platte zu tun? Ich weiss es doch nicht (lacht). Jemand sagt vielleicht: Ja, es ist wunderschön eine Entwicklung eines Songs mitanzusehen, aber mich verlässt da irgendwie die Energie. Was soll man da Stunden, Wochen, Monate hergeben? Wenn man mal an einen Punkt gerät, wo man sagt, jetzt möchte ich sowieso eine Pause machen, dann kann man ja etwas, das schon lange brach liegt, mal machen, wieso nicht? Für mich steht es aber momentan nicht an.
hitparade.ch: Kannst du dir vorstellen, irgendwann ein weiteres Soloprojekt zu starten à la Honigmelonemond?
Büne: Nein, das hat damals mit der Geburt unserer Tochter zu tun gehabt. Und ich war einfach zutiefst ergriffen. Ich wollte ihr damit ein Geburtsgeschenk geben, von dem ich weiss, da drin ist so viel verborgen, dass sie auch als alte Frau noch hören kann und Dinge entdecken kann. Das war mir wichtig und fairerweise musste ich sagen, das ist ein Soloalbum, da lasse ich mir nicht reinreden und zwar nicht ins Kleinste. Ich wusste, wie die Scheibe klingen sollte, das ist meine Geschichte mit ihr. Oder zumindest die damalige Geschichte. Heute würde diese Geschichte wahrscheinlich wieder anders aussehen. Das hätte man einfach nicht als Ochsner-Platte rausgeben können, das hätte ich nicht gewollt. Weisst du, wenn du so viele Jahre mit einer Band zusammenarbeitest und dann gehst du ins Studio und sagst: 'Nein, tztztz, das geht jetzt genau so wie ich das will!', das kannst du nicht machen. Das wäre schwierig. In dem Sinne steht eigentlich nichts an, ausser es würde jetzt etwas ganz Einschneidendes in meinem Leben passieren, das mich so weit treiben würde, dass ich etwas umsetzen will, wo dann keiner mitreden darf. Dann würd ich wieder eine Soloscheibe machen.
hitparade.ch: Wieviele Instrumente kannst du eigentlich insgesamt spielen?
Büne: Ich weiss es nicht, ich hab sie nie gezählt. Eigentlich ist es ganz einfach. Es sind ein paar Saiteninstrumente und ein paar Tasteninstrumente und dann hört es auch schon wieder auf. Ich bin ein schlechter Schlagzeuger und auch ein schlechter Bassist. Da hast du vielleicht eine Mandoline oder so, aber im Kern bleibt es doch ein Saiteninstrument. Anders wird es dann bei Cello und Geige, das kann ich nämlich wirklich nicht.
hitparade.ch: Gibt es vielleicht in naher Zukunft mal die Möglichkeit, deine Kunst in einer Ausstellung zu bewundern?
Büne: Einmal mehr ist wieder etwas geplant, das ich dann am Schluss wieder nicht mache, weil gerade die Musik wieder mal wichtiger ist. Es liegt für mich nicht brach, aber ich sollte schon lange mal damit an die Öffentlichkeit. Es ist mir schon richtig peinlich, aber letztendlich kommt dann wieder ein Musikprojekt und dann bin ich da drin. Das läuft dann mal und ich denke mir: Naja, ein anderes Mal vielleicht. Und dann kommt wieder ein anderes Mal und dann wieder ein anderes Mal
Nein, in dieser Hinsicht bin ich eine richtige Schlampe (lacht). Ich bin ja nicht stolz drauf, aber irgendwie muss ich schon längst über mich lachen.
hitparade.ch: Was für Sound hörst du dir eigentlich privat an, so zum abschalten?
Büne: Im Moment höre ich mir im Auto andauernd die neue Platte der Red Hot Chili Peppers an, die finde ich absolut stark. Dann freue ich mich wahnsinnig auf die neue Dylan-Scheibe, bei der ich nicht weiss, was mich erwartet. Ich höre Kraut und Rüebli. Und ich bekomme auch viele CD's zugeschickt von Bands, die ich überhaupt nicht kenne und zwischendurch ist da irgendwas dabei, vollkommen unbekannt und aus einer völlig anderen musikalischen Richtung, das mir gefällt und wo ich andoggen kann. Und manchmal suche ich ganz gezielt nach etwas Besonderem. Zum Beispiel immer wenn Daniel Landa als Produzent auftaucht, interessiert es mich ganz besonders. In letzter Zeit ist eh meine Tochter der DJ in der Hütte, die legt auf, was ihr gerade passt. Sie ist jetzt neun. Sie gibt mir gute Impulse.
hitparade.ch: Fängt sie auch schon mit Instrumenten an?
Büne: Ja, sie hat wie die meisten in ihrem Alter mit Flöte angefangen, seit einem Jahr spielt sie Klavier und entwickelt sich dort wunderschön. Und wenn ich mit ihr bei mir in der Baracke bin, dann setzt sie sich immer sofort ans Schlagzeug. Ich spiele dann Gitarre und sie drummt dazu.
interview
21.September 2005
Eineinhalb Jahre haben Patent Ochsner sich Zeit gelassen, ihre musikalische Erfolgsgeschichte fortzusetzen. Jetzt erscheint ihr neuestes Album "Liebi, Tod & Tüüfu". hitparade.ch hat sich mit Frontmann und Schreiberling Büne Huber getroffen und sich mit ihm über seine Rolle in der Schweizer Musikszene, über MusicStar und seine Hitparaden-Ambitionen unterhalten.
hitparade.ch: Nach 15 Jahren im Geschäft wirst Du die Schweizer Musikszene mit Stars, die kommen, Stars, die wieder gehen, kennen. Wie ist das Klima in der Szene? Arbeitet jede Band biotopisch für sich selbst oder pflegt ihr auch den Kontakt zu Musikern anderer Bands?
Büne Huber: Ganz bewusst habe ich mich die letzten Jahre aus der Szene rausgehalten. Es hat eine aufladende Wirkung, wenn Du Dich vermehrt mit Geschichten ausserhalb der Szene beschäftigst. Ich verfolge aus der Beobachterwarte sehr interessiert, was sich in unserer Musiklandschaft tut. Ich bekomme auch immer wieder Demo-Bänder zu
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geschickt, auf welchen ich einen spannenden Einblick erhalte vom Schaffen anderer Bands, die am hochkommen sind.
hitparade.ch: Wie gehst Du mit solchen Demo-Tapes um?
Büne Huber: Die Rolle des kritisierenden Schulmeisters liegt mir weniger. Wenn jemand etwas erschafft, hat das primär einmal Respekt verdient. Es geht in der Musik meines Erachtens darum, seine Sprache zu finden und sein eigenes Gesicht zu konturieren. Wenn ich als Hallodri, der schon seit 15 Jahren in der Musiklandschaft rumlungert, als Kritiker daher komme, finde ich das eher schwierig. Ich kann jemandem Tipps geben, wie er inmitten des Fleischwolfs Musikbusiness richtig auf sich aufpasst. Aber über das künstlerische Schaffen eines andern Musiker äussere ich mich nicht gerne.
hitparade.ch: Schaut man sich bei hitparade.ch die Liste der Songs durch, die Du geschrieben hast, beschränkt sich das bisher praktisch ausschliesslich auf Patent Ochsner und auf Solo-Songs. Sind wir schlicht schlecht informiert oder hast Du gar nicht das Bedürfnis für andere Künstler Songs zu schreiben?
Büne Huber: Letztes Jahr gab es eine Zusammenarbeit mit Mimmo Locasciulli, einem Cantautore aus Italien. Und es gibt auch schon einige Cover-Versionen von Ochsner-Songs. Aber tendenziell stimmt es schon: Was ich selber schreibe, singe ich dann gerne auch selber.
hitparade.ch: Besagtes Projekt mit Mimmo Locasciulli, in dem ihr einen seiner Songs auf deutsch sangt und er Euren "Hotelsong" auf italienisch, war ja ein spannender Ansatz. Werdet ihr wieder einmal ein solches mehrsprachiges Experiment eingehen? Vielleicht wieder mit Mimmo?
Büne Huber: Ich kann mir gut vorstellen, gerade mit Mimmo nochmals zusammenzuarbeiten. Letzten Sommer war ich bei ihm im Studio, wo wir an einem Song aus meiner Feder arbeiteten. Ob was draus wird... Schaun mer mal. Ende Jahr veröffentlicht er eine neue Platte und geht im März 06 damit auf Tournee. Sofern wir es terminmässig hinkriegen, werden ihn sicherlich einige Ochsner-Leute begleiten. Unser neues Album haben wir im übrigen ebenfalls bei ihm abgemischt. Er hat uns sein Studio und sein Haus grosszügig zur Verfügung gestellt. Das Beisammensein in seinem wunderbaren Garten erzeugte eine geniale Ambience.
hitparade.ch: Seit Jahren gelingt Euch mit Euren Alben der Sprung in die Top 3 der Charts problemlos. Ist Euch die Hitparade überhaupt noch wichtig?
Büne Huber: Nun ja, der Hitparadenwettstreit hat ja etwas sehr Sportives an sich. Wer schafft Platz 1, wer holt die Silbermedaille, wer schnappt sich ein olympisches Diplom? Sehr schnell ist dieser Wettstreit dann von den Inhalten der Musik abgekoppelt. Wenn Du an einem Album arbeitest, an einen Song rangehst und mit der Band versucht, an den Kern eines Liedes vorzustossen, befindest Du Dich in einer ganz anderen Welt. Der sportliche Ehrgeiz, auf die Hitparadenplatzierung zu schielen, geht bei mir dann und wann etwas flöten. Unabhängig dessen ist die Hitparade aber eine sehr wertvolle und gute Werbefläche.
hitparade.ch: Wo siehst Du den Ursprung des Erfolgsphänomens Patent Ochsner?
Büne Huber: Ich kann mir das nicht wirklich erklären. Ich bekomme vom Publikum fast ausschliesslich positive Rückmeldungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Fans dann melden, wenn ein Lied sie berührt hat. Und die Leute sagen mir: "Eure Songs haben mit meinem Leben zu tun, ich finde mich in ihnen wieder, Du hast mein Herz berührt." Das freut einen natürlich extrem. Als wir dieses Jahr am Gurten waren, kam ein Ehepaar zu mir - die waren so schätzungsweise 30. Sie erzählten mir, dass sie ihre zwei Kinder beide zu Ochsner-Songs gezeugt hatten. Das macht einen als Künstler in dem Augenblick dann schon stolz. Kannst Du einem Musiker ein besseres Lob ausspechen, als dass seine Musik quasi der Soundtrack für ein neues Leben war? Das isch doch geil! :-)
hitparade.ch: Aus dem MusicStar-Boom während der letzten zwei Jahre habt ihr Euch elegant herausgehalten. Wäre es für Dich nie in Frage gekommen, als Jurymitglied mitzuarbeiten?
Büne Huber: Nein, überhaupt nicht. Ich fand Mia Aegerters Weg bereits relativ schwierig, als Künstlerin auf die Bühne zu gehen, aber gleichzeitig in der Jury zu sitzen. Chris von Rohrs Rolle hat mir gefallen. Er, der fast ausschliesslich als Produzent und Berater in der Szene tätig ist, hat seine Aufgabe kompetent und respektvoll gemeistert. Solche Figuren braucht es in der Jury. Mutig fand ich auch seinen Song "Meh Dräck", auch wenn ich ihn grottenschlecht fand. Chris hat sich damit ausgestellt und hat sich selber bewerten lassen. Das ist ein sehr typischer Wesenszug von ihm.
hitparade.ch: Werfen wir den Blick auf die sich sachte emanzipierenden MusicStars wie Pacchioli, Kandlbauer oder Baschi. Siehst Du da etwas Fruchtbares heranwachsen?
Büne Huber: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Aufstieg via MusicStar für mich als Musiker nie in Frage gekommen wäre und ich eigentlich gar nichts damit zu tun habe. Ich verurteile jene, die diesen Weg gehen können, nicht. Wenn Du Dir das System MusicStar jedoch genauer anschaust, ist es ein Business von A bis Z. Alle gewinnen: das Fernsehen, die Kleidermarken, die Telephonfirma, Chris von Rohr, die Plattenfirma. Alle gewannen - abgesehen von H. Elias Fröhlich und... den Musikern. Die haben lediglich kurzweilig ihre Publizität. MusicStar ist ein Event. Wenn es zwei, drei Leuten halbwegs gelingt, auf der Piste zu bleiben, gönne ich es ihnen von Herzen. Aber es wird schwer.
hitparade.ch: Was denkst Du über den derzeitigen Trend, wieder Mundart-Musik zu machen?
Büne Huber: Ich denke, es wird immer wieder solche Wellen geben. Von jener Anfang der 90er haben wir profitiert. Nachher gab es aber auch Momente, wo Mundart-Musik wenig in war. Du bist eine Zeit lang ein lahmer alter Furz, wenn Du Mundart machst und zwei Jahre später extrem hip. Ich kann mich als Künstler nicht damit beschäftigen. Meine Sprache ist meine Form, die mir entspricht. Ich will mit der Sprache spielen, will Geschichten erzählen, will mit einer Band Platten aufnehmen. Und da würde ich mit meinem Radebrech-Englisch nichts Glaubwürdiges zu Stande bringen. Sven Degen sagte kürzlich so schön in einem Interview: "Wenn Du eine "Element Of Crime"-Platte kaufst und die nicht nach "Element Of Crime" klingen würde, wäre es schlichter Etikettenschwindel". Du hast Deinen Ausdruck, Deine Sprache - mal ist die Zeit auf Deiner Seite, ein anderes Mal eben nicht.
hitparade.ch: Euer neues Album heisst "Liebi, Tod & Tüüfu". Wie kamt ihr auf diesen Titel?
Büne Huber: Das war in der Zeit, als ich die Songs zu Hause skizzierte. Da begann sich dieser Arbeitstitel zu manifestieren. "Liebe, Tod und Teufel" - das ist für mich eine grosse Säule, um die sich unser Leben dreht.
hitparade.ch: Ein Titel, der stark an ein erfolgreiches Album der EAV erinnert...
Büne Huber: Ja, schins. Das habe ich erst nachher mitbekommen.
hitparade.ch: Die EAV verknüpft Pop-Sound mit satirischen Texten - eigentlich ein ähnliches Erfolgsrezept wie Patent Ochsner - oder nicht?
Büne Huber: Ich sah die Gruppe kürzlich an einem Festival, habe aber ihr Schaffen abgesehen von ihren grossen Hits weniger verfolgt. Wir sehen uns natürlich weniger als Ulkband im eigentlichen Sinne.
hitparade.ch: Euer neuer Song "Vo hingu u vo vor" wurde im Internet als Gratis-Download zur Verfügung gestellt. Ihr beschreibt darin einen Nobody, dem Honig um den Mund geschmiert wird, dem die Öffentlichkeit ein Krönchen aufsetzt. Ist das Euer Soundtrack zu MusicStar und der Miss-Schweiz-Wahl?
Büne Huber: Ja, die Geschichte ist natürlich stark aus jener Ecke genährt. Ich war glücklicherweise nie direkt mit diesem Umgangsstil konfrontiert. Aber andauernd beobachte ich solche Geschichten inmitten des Musikbusiness. Ein Pferdchen wird in den Stall geholt, wird geschminkt und es wird Kohle bis zum Geht-nicht-mehr reingepusht. Man schmeichelt ihm. Und wenn es kein Erfolg wird, sind die Plattenbosse blitzschnell wieder weg. Und mit dem, was übrig bleibt, beschäftigen sich dann andere Leute als die Plattenfirma! Das Lied ist sehr provokativ, äussert aber mein Empfinden.
hitparade.ch: Welcher Song ist Dir der wichtigste auf dem neuen Album?
Büne Huber: Eine solche Wahrnehmung ist natürlich immer in Bewegung. Von der Atmosphäre und Dichte her, ist es im Moment "De schlächt Verlürer". Da ist uns etwas gelungen, das wir bisher so noch nicht hingebracht haben. Ein Song, den ich wirklich liebe, der mir auch voll einfährt.
hitparade.ch: Auch um ihn live zu performen?
Büne Huber: Mein Plan lautet, alle neuen Songs auf der nächsten Tournee zu spielen. Ich bin gespannt, was dann mit ihnen passiert, wie sie sich dort entwickeln. Wenn Du eine Platte machst, frierst Du ja quasi etwas ein, das kontinuierlich entsteht. Auf der Tour erhalten wir Gelegenheit, die Songs wieder lebendig zu bearbeiten. Dieser Prozess lebt von der Musikalität jedes einzelnen in der Band. Manchmal kommt ein Gitarrenriff anders als am Tag zuvor und es entwickelt sich wieder etwas Neues. Solche Momente schätze ich sehr.
hitparade.ch: Welcher Patent-Ochsner-Song denkst Du wird von den hitparade.ch-Usern am beliebtesten bewertet?
Büne Huber: Da bin ich mir ziemlich sicher: "W. Nuss vo Bümpliz".
(Wir zeigen Büne die Liste und er studiert sie.)
Als Buchhalter ist das natürlich hochspannend, es zu studieren.
hitparade.ch: Kannst Du Dich damit identifizieren?
Büne Huber: Ich muss mich damit nicht identifizieren. Das ist das Empfinden von Menschen. Man muss aber die Relation sehen: Wenn neun Leute sagen, "Guet u gärn" ist ein guter Song, sagt dass nicht so viel aus, wie wenn über 60 Leute zur "W. Nuss vo Bümpliz" Stellung nehmen.
hitparade.ch: Traditionsgemäss legen wir unseren Interviewpartnern jeweils die aktuelle Top 10 der Schweizer Hitparade vor. Kannst Du uns diese kommentieren?
Büne Huber: (Studiert sie und schmunzelt). Weisst Du was? Ich kenne so gut wie keinen dieser Songs. Die Single-Geschichte ist mir schon ziemlich fremd, weil alles so kurzlebig ist. Ich glaube, die Sache erübrigt sich. Ich kenne zu wenige der Songs.