interview
16.August 2012
Get the
Lunik sind wieder da mit ihrem sechsten Studio-Album "What Is Next". Mit Sängerin Jaël haben wir uns darüber unterhalten, weshalb es sie nicht zum Schweizer Fernsehen zieht und natürlich was beim Berner Trio wohl als Nächstes kommt.
hitparade.ch: Gerade sind die Olympischen Spiele zu Ende gegangen. Wie hast Du den Anlass erlebt, nachdem Du ja vor kurzem selber einige Monate in London verbracht hast?
Jaël: Es ist fast ein bisschen peinlich, aber Olympia ging komplett an mir vorbei. Ich habe nichts mitgekriegt. Vorletzte Woche kam mein Schauspiellehrer nach Bern eingeflogen und ich organisierte einen Schauspielkurs mit ein paar Freunden, darunter einer Kollegin aus London. Die haben mir ein bisschen davon erzählt. Aber das CD-Release hat mich in letzter Zeit sehr absorbiert. Ich weiss nicht einmal, ob die Schweiz Medaillen geholt hat (lacht).
hitparade.ch: Du hast in London eine Schauspielschule besucht und ge
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sagt, dass Du die Schweizer Natur vermisst. Nun bist du ja wieder zurück in der Schweiz. Was vermisst Du von London?
Jaël: London wurde zu meinem zweiten Zuhause. Ich vermisse manchmal die Lebendigkeit dieser Stadt
und natürlich meine Freunde von dort. An der Schauspielschule waren immer Menschen um mich herum, die im gleichen Rhythmus lebten wie ich. Das ist in der Schweiz anders: Meine beste Freundin ist gerade nach Chur gezogen, eine andere wohnt in Zürich, wieder andere in Basel und Luzern. Darum bin ich in Bern oft alleine. Ich stehe morgens auf, arbeite an Songs und sehe tagsüber nicht viele Leute. Das war in London anders.
hitparade.ch: Wie sieht es nun mit Deiner Karriere als Schauspielerin aus? Sieht man Dich bald auf der Leinwand?
Jaël: Ich kann mir das gut vorstellen und habe auch bereits Angebote erhalten. Aber ich bin wahnsinnig wählerisch. Da ich mich bereits in der Musik ausleben kann, habe ich nicht das Gefühl, sofort die erste Rolle annehmen zu müssen. Es ist einerseits ein Vorteil, nicht bei jeder Rolle zugreifen zu müssen, andererseits ist es ein Nachteil, weil Du auch gut und gerne 20 Jahre auf die perfekte Rolle warten kannst. Ich muss den richtigen Moment finden.
Wo ich mich eher sehe, ist der Theaterbereich. Weil das sehr viel Zeit benötigt, wird das wohl erst im Zeitraum zwischen zwei Alben zum Thema. Ich ging ursprünglich nach London, weil ich Songs schreiben wollte. London war eine inspirierende Stadt. Die Schauspielerei war eher ein Nebending. Ich hätte wahnsinnig Respekt davor gehabt, in der Schweiz in eine Schauspielschule zu gehen, weil ich mich wahnsinnig beobachtet gefühlt hätte. In London kannte mich niemand und ich konnte einfach probieren.
hitparade.ch: Was haben Luk und Cedi in der Zwischenzeit gemacht?
Jaël: Luk hat mit anderen Künstlern Songs produziert. Cedi spricht nicht gerne darüber, was er gemacht hat. Was ich weiss, ist, dass er bei Bonaparte eine beratende Funktion inne hat.
hitparade.ch: Nach zwei Jahren meldet ihr euch zurück mit "What Is Next"? Habt ihr die Antwort auf die Frage gefunden?
Jaël: Auch unsere kommende Tour wird so heissen. Ich hoffe, dass ich immer hungrig bleibe, zu erfahren, was im Leben als nächstes kommt.
hitparade.ch: Nachdem Euer Schlagzeuger Chrigel Bosshard ausgestiegen ist, habt ihr beschlossen, als Trio weiterzumachen. Ihr habt Euch vom alten Management getrennt. Was waren die Gründe für diese Entscheidungen?
Jaël: Chrigel möchte am liebsten jeden Abend mit einer anderen Band auf der Bühne stehen, was sehr schwierig ist in Kombination mit Lunik. Dass Lunik immer erste Priorität hatte, wurde zunehmend schwierig für ihn, weshalb er einen Schlussstrich gezogen hat. Die Trennung vom Management hatte sich seit längerer Zeit abgezeichnet. Wir hatten zu viele enge Vorgaben und fühlten uns in einer Sackgasse. Für uns war es sehr wichtig, dass wir uns für das neue Album die Zeit nehmen konnten, die wir brauchten.
hitparade.ch: Das erste Mal bist nicht mehr nur Du alleine auf dem Cover eines Studio-Albums zu sehen. Hat es etwas zu bedeuten, dass ihr nun als Trio präsent seid?
Jaël: Ich wollte das unbedingt. Wir waren uns auf Anhieb einig, als wir das Bild sahen, dass es das Cover werden würde. Wir haben das Album so stark in diesem Dreieck erschaffen, dass es nicht der Realität entsprochen hätte, wenn ich alleine darauf gewesen wäre. Zwar sind wir hinsichtlich der Anzahl Leute in der Formation geschrumpft, aber wir sind ein so gutes Team wie noch nie zuvor. Wir wollten zudem nicht nur eine gute CD vorlegen, sondern auch eine schöne Zeit zusammen haben. Auch dieses Gemeinsame bildet das Cover gut ab.
hitparade.ch: Die erste Radiosingle "Me-Time" kam bei den Medien unterschiedlich an. Moniert wurde der hörbare Unterschied zu früheren Lunik-Songs.
Jaël: Das Feedback war durchzogen und das erstaunt mich nicht. Gewisse Leute mögen von uns eher die melancholischen Töne, die sie auch zu hören bekommen, wenn sie sich das Album anhören. Von einer lüpfigen Single sind diese Leute nun natürlich eher enttäuscht. Als Musiker muss man lernen, mit solchen Reaktionen zu leben.
hitparade.ch: Die Songs der neuen CD wurden im Home-Studio von Luk in Berlin, teils aber auch auf der abgelegenen italienischen Insel Lipari und in Bern aufgenommen. Weshalb an drei verschiedenen Orten?
Jaël: Mir war es sehr wichtig, dass Album nicht in einem strikten, engen Zeitplan aufzunehmen, sondern dass wir uns zu dritt auf eine Reise begeben und uns in dieser Zeit gemeinsam mit dem Album beschäftigen. Wir hatten schöne Zeiten in Berlin und auf Lipari. Wir haben musiziert, gut gegessen
und wenn es im Studio zu heiss wurde, gingen wir baden und Bötchen fahren. Auf der Reise hat sich alles darum gedreht, was dir zu dritt erleben, wie es uns dabei geht und wann der richtige Moment zum Aufnehmen ist. Manche Songs entstanden um 3 Uhr nachts.
Die Vorgehensweise hatte auch den Vorteil, dass wir zuerst drei Wochen in Berlin aufgenommen haben, die Songs nachher zur Seite legen konnten und nachher in Lipari weiterdenken konnten. Die Songs brauchen Zeit zum Atmen.
hitparade.ch: Merkt man den Songs an, wo sie entstanden sind?
Jaël: Es ist in jedem Song ein bisschen Lipari, Berlin und Bern drin. Der Vorteil der heutigen Technologie ist, dass Du die Gitarre in Lipari aufnehmen und beispielsweise in Zürich ein Orchester darüber legen kannst.
hitparade.ch: Ihr habt ja reichlich mit den Instrumenten herumexperimentiert auf diesem Album. Was waren die speziellsten, die ihr verwendet habt?
Jaël: Für mich war das Kazoo das etwas Besondere, da ich das vorher noch nie gespielt hatte. Auch Xylophon war für mich eher ungewöhnlich. Zu hören sind aber auch eine Abwaschbürste, Chipstüten, Toilettenpapier, Schlüsselbunde, Gläser, Feuerzeuge, eine Balkontüre und Vögel aus Berlin.
hitparade.ch: Gibt es besonders wichtige Themen, die in den Texten mehrerer Songs des Albums aufgegriffen werden?
Jaël: "What Is Next" kommt natürlich immer wieder, da es für mich eine zentrale Frage ist. Ich bin um die 30 und merke, dass sich Leute um mich herum - und ich selber auch - diese Frage immer wieder stellen. Du fragst Dich, was noch kommt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man vieles machen kann. Gerade in meiner Altersgruppe stehen oft die Hinterfragung von Lebensarten, Zwischenmenschlichkeit, Liebe, Beziehungen, Ängsten und Verlusten im Raum. Diese werden in den Songs thematisiert. Es geht also grundsätzlich um das Leben mit all seinen Facetten - den traurigen und den schönen.
hitparade.ch: Gibt es die Band MiNa, die Du zusammen mit Luk bildest, eigentlich noch? Wird da auch noch etwas Neues kommen?
Jaël: Wir wissen es nicht genau. Wir hatten letzten Herbst ein paar MiNa-Konzerte und viel Spass dabei. Darum wäre es zwar schade, das Projekt zu begraben, doch gleichzeitg merken wir, dass sich Lunik immer mehr in jene Richtung entwickelt, die MiNa war. Ich möchte aber nicht sagen, dass MiNa deswegen gestorben ist.
hitparade.ch: Das Schweizer Fernsehen hat dich angefragt, ob du in der Jury der Casting-Sendung "The Voice of Switzerland" sitzen möchtest. Du hast abgesagt, weil der Dreh mit Deinen Terminen kollidiert wäre und Du die ganze Kraft in Lunik investieren möchtest. Hätte Dich die Aufgabe aber gereizt? Und was hältst Du von diesem Show-Konzept - auch im Unterschied zu anderen Casting-Sendungen?
Jaël: Ich habe schon mit meiner Entscheidung gerungen. Grundsätzlich bin ich kein Fan von Casting-Shows, doch "The Voice" ist in vieler Hinsicht anders. Es wird niemand vor laufender Kamera fertiggemacht, es gibt keine "Leider-Neins". Es hätte mich auch gereizt, nicht nur Jurorin, sondern auch Coach zu sein. Ich bin darum nach wie vor hin- und hergerissen. Dass die Show trotz allem rein auf Entertainment angelegt ist, gefällt mir weniger. Als Coach den Leuten etwas mit auf den Weg zu geben, ist wiederum sehr reizvoll. Wenn ich so etwas gemacht hätte, hätte ich mir wirklich Zeit dafür nehmen und nicht nur ein vom SRF vorgeschriebenes minimales Fenster darin investieren wollen.
hitparade.ch: Ihr startet Eure Tournee am 7. Oktober zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester in der Tonhalle Zürich. Mit dem Orchester hast Du bereits gearbeitet. Wie war die Erfahrung?
Jaël: Es war super! Wir haben auch schon Live-Aufnahmen zusammen gemacht. Mir gefällt die spezielle Dynamik auf der Bühne. Es hat einen warmen Klang - völlig frei von elektronischem. Ich habe das Gefühl, eine Welle von purer Wohligkeit und Wärme komme hinter mir auf der Bühne hervor und ich kann mich darauf setzen und losreiten. Ich freue mich sehr darauf.
hitparade.ch: Im November beginnt dann die reguläre Club-Tournee. Was wird der Unterschied zum Orchester-Setting sein?
Jaël: Das Orchester soll nicht einfach mitdudeln, sondern hat seine Funktion. Auf der Tour ist dann klassischer Band-Sound zu hören. Es wird sicher nicht dasselbe Set sein, primär werden wir aber bei beiden Programmen neue Songs spielen.
hitparade.ch: Sprechen wir noch kurz über die aktuellen Album-Charts.
3. Pegasus - Human.Technology
Jaël: Ehrlich gesagt gefielen mir ihre älteren Sachen besser, weil sie mehr Charakter hatten. Aber da gehe ich offenbar nicht mit der Allgemeinheit mit.
7. Linkin Park - Living Things
Jaël: Das ist nicht so meine Musik.
8. Amy Macdonald - Life In A Beautiful Light
Jaël: Ich finde sie super! Eine tolle Frau mit einer tollen Stimme und tollen Songs.
10. Patent Ochsner - Johnny - The Rimini Flashdown Part II
Jaël: Mit Musik von Büne Huber und Kuno Lauener bin ich gross geworden. Die wurden in der Berner Schule rauf und runter gesungen.
11. Die Toten Hosen - Ballast der Republik
Jaël: Die Band kenne ich von früher als Teenager, das neue Album ist mir aber unbekannt.
12. Gotthard - Firebirth
Jaël: Schön, dass sie wieder da sind. Ich habe das neue Album aber bisher nicht gehört.
13. Adele - 21
Jaël: Ein Hammer-Album, mehr kann man dazu gar nicht sagen.
interview
08.Februar 2010
Nach dem MiNa-Projekt und einigen Auftritten im Ausland erscheint drei Jahre nach dem Platin-Album "Preparing To Leave" die neue CD "Small Lights In The Dark" von Lunik. Wir haben uns mit Jaël zum Interview getroffen.
hitparade.ch: Euer sechstes Album steht am Start. Ist man da noch nervös, bevor es so richtig los geht und man sich Fans und Medien stellen muss?
Jael: Jetzt bin ich nicht mehr nervös, nein. Denn an der CD kann ich sowieso nichts mehr ändern. Mein Teil ist erledigt, ich muss nur noch abwarten, wie das Album von den Fans aufgenommen wird. Momentan herrscht als mehr eine Spannung auf die Reaktionen.
hitparade.ch: "Small Lights In The Dark" nennt ihr euer neues Album, eine Zeile eines Songs auf dem Album. Was hat der Titel für eine Bedeutung?
Jael: Grundsätzlich bedeutet der Titel "Hoffnung". Wenn du dich im Dunkeln befindest, siehst du plötzlich ein Licht am Ende des Tunnels. Für mich als Mu
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sikerin hat der Satz aber auch noch eine andere Bedeutung. Wir sind oft in der Nacht unterwegs, da sind wir froh über kleine Lichter im Dunkeln.
hitparade.ch: Was habt ihr selber für Erwartungen mit eurem Album?
Jael: Keine speziellen, denn es kommt sowieso immer anders, als man es erwartet. Diese Erfahrung habe ich gemacht. Ich lasse lieber alles auf mich zukommen. Gespannt bin ich vor allem, was unseren neuen Auslandvertrag betrifft.
hitparade.ch: Wenn man euer Album durchhört ist es mit Ausnahme der Single-Auskoppelung "People Hurts People" eher ruhig und melancholisch. Was war ausschlaggebend für so viele ruhige Nummern?
Jael: Dafür gibt es keinen bestimmten Grund. Als Mensch bin ich eher nachdenklich, dementsprechend sind auch meine Texte hinterfragend und kritisch. Die Instrumentalteile verhindern in den Liedern aber zum Glück die totale Depressionsstimmung (lacht). Nicht, dass ich ein so negativer Mensch wäre. Aber wenn ich solche Gedanken aufschreibe, kann ich schöne Energien besser im Leben einsetzen.
hitparade.ch: Wie stark hat MiNa das Album beeinflusst?
Jael: MiNa hat unsere Richtung beeinflusst. Wer unsere Alben kennt, weiss, dass wir nicht gerne zwei Mal hintereinander das selbe machen. Dank MiNa konnten wir eine andere Seite von uns ausleben.
hitparade.ch: Wie haben sich die Texte und Themen in den letzten Jahren verändert? Wahrscheinlich beschäftigen dich jetzt andere Dinge, als vor zehn Jahren.
Jael: Ich bin immer noch ich und darum denke ich, dass sich meine Denkweise nicht so stark verändert hat. Höchstens die Gewichtung ist verschieden. Im Alter zwischen 20 und 27 war ich sehr stark auf der Suche nach dem Sinn und mir selbst - das spürte man schon gut. Einige Songs ab auf dem neuen Album sind auch in dieser Zeit entstanden, darum bin ich wohl immer noch ein wenig auf der Suche. Bei der nächsten CD werde ich dann hoffentlich eher angekommen sein (lacht).
hitparade.ch: Ihr habt, wie du gesagt hast, musikalisch einen weiten Weg gemacht, angefangen vor über zehn Jahren beim Trip-Hop. Wo führt euch die musikalische Entwicklung noch hin?
Jael: Keine Ahnung (lacht). Das wäre, wie wenn ich jemanden fragen würde "Was interessiert dich in zwei Jahren?". Dadurch, dass wir eigene Lieder schreiben, verändern sie sich mit uns. Und wachsen mit. Wir sind immer offen für alles. Jeder von uns hat seine Projekte, wir lassen uns gerne beeinflussen. Das ist ein Prozess, der hoffentlich nie aufhören wird.
hitparade.ch: Euer Stil hat sich gewandelt. Wie stark passt ihr euer älteres Material live an?.
Jael: Auf unserer letzten Tour mussten wir einige Lieder ziemlich stark anpassen, damit es zu einer Einheit wurde. Wir wollten nicht, dass sich das Publikum wie bei einem Konzertabend mit fünf verschiedenen Bands fühlte. Für die vergangene Club-Tour wählten wir eher rockig und poppige Lieder. Hingegen für die Festivals holten wir dafür die sphärischen Klänge hervor. Für die kommende Tour wird das neue Album im Vordergrund stehen.
hitparade.ch: Ihr habt angefangen als Quintett und seid jetzt noch zu viert, wird das auch live so sein oder habt ihr noch Gastmusiker?
Jael: Ein Bassist wird mit uns zusätzlich auf Tournee kommen. Zum Glück singt er auch sehr schön und wird mich mit Backgroundvocals unterstützen. Ausserdem spielt er noch Kontrabass und bei einem Lied sogar akustische Gitarre - ein Multi-Instrumentalist.
hitparade.ch: Ihr hattet schon öfters Wechsel in der Band. Wirft einen das stark aus der Bahn?
Jael: Bei mir sind solche Wechsel immer stark mit Trauergefühlen verbunden. Eine Verabschiedung von jemandem, der nicht nur musikalisch, sondern auch mit seinem Charakter etwas zur Band beigetragen hat, ist nicht leicht. Andererseits gibt es dadurch wieder Platz für Neues. Wahrscheinlich ein weiterer Grund für die ständigen Veränderungen bei Lunik.
hitparade.ch: Die Infos auf eurer Homepage sind alle Englisch. Das sieht sehr nach international gepusht. Ist auch eure CD dementsprechend ausgerichtet?
Jael: Ja. Die deutsche Übersetzung kommt noch, dafür hatten wir noch keine Zeit (lacht). Wir gehen aber davon aus, dass die meisten Schweizer genug gut Englisch sprechen um das zu verstehen. Gerade Pressetexte sind oft im Original nicht Deutsch, darum werden diese auch nicht übersetzt. Skandinavische Bands beispielsweise haben ihre Homepage fast immer in Englisch, das interessiert niemanden. Wenn dies aber eine Schweizer Band macht, haben alle das Gefühl, wir würden uns nur noch fürs Ausland interessieren.
hitparade.ch: Auf den früheren Alben hattest du eher einen amerikanischen Akzent, auf dem Neuen jedoch, wirkt er eher britisch. Ist das bewusst passiert?
Jael: Oh! (lacht) Nein, das ist nicht bewusst passiert. Lustig
Das ist mir nicht aufgefallen. Warum das so ist, kann ich mir eigentlich nicht erklären. Ich weiss einfach, dass ich sehr anpassungsfähig bin. Sobald ich mich zum Beispiel mit meiner Basler-Kollegin unterhalte, spreche ich Basler-Dialekt (lacht).
hitparade.ch: In Italien hattet ihr einen Top-10-Hit. Warum ist dieses Lied nicht auf dem neuen Album?
Jael: Weil er vom letzten Album ist! In Italien und England veröffentlichten wir eine Best-Of CD mit Liedern von allen Lunik-CDs. Dieser Zwischenschritt half uns, die nötigen Kontakte in den Ländern herzustellen.
hitparade.ch: Ihr gebt ja nur 10 Konzerte in der Schweiz, was ist denn so geplant an Promotion im Ausland?
Jael: Das ist jetzt alles in Planung. Zuerst möchten wir uns Zeit für die Schweiz nehmen und dann ab April auch im Ausland promoten. Die Verhandlungen sind am Laufen!
hitparade.ch: In der Schweiz habt ihr einen nahen Kontakt mit den Fans über das offizielle Fan-Forum, wo Jaël während den Aufnahmen ein Tagebuch geführt hat. Wie sieht es aus bezüglich Fan-Seiten im Ausland?
Jael: Die angesprochenen Tagebücher sind in Englisch erschienen, darum hoffe ich, dass sie nicht nur von Schweizern gelesen wurden. Das Board hat zudem einen Fremdsprachigen Teil, der bisher jedoch noch nicht stark genutzt wird. Da hoffen wir auf Änderungen in nächster Zeit. Falls sich jemand im Ausland angesprochen fühlt, und eine Fanpage machen möchte, dürfte er das sehr gerne. Bisher sind aber noch keine Angebote da.
hitparade.ch: Gibt es Lieblingsländer, in denen ihr gerne auftreten würdet?
Jael: (überlegt) Das ist schwer. Ich bin nach wie vor ein grosser Skandinavien-Fan. Ansonsten kenne ich vor allem den europäischen Raum, darum bin ich gespannt ob sich auch in Asien oder Amerika etwas auftut.
interview
01.August 2006
Preaparing To Leave, das lang ersehnte Album von Lunik erscheint am 1. September 2006. Wir haben die Sängerin Jaël zu einem Interview einladen dürfen, um mehr darüber zu erfahren.
hitparade.ch: Lunik IX ist einerseits ein Stadtteil von Koice (Geburtsstadt von Martina Hingis), andererseits bedeutet die gleichnamige Mission eine Serie von drei sowjetischen Mondsonden. Wie wurdet ihr bei der Namensgebung beeinflusst?
Jaël: Wir hatten einen Bandraum, wo früher jeweils Flohmärkte stattgefunden haben. Deswegen standen dauernd Schachteln mit alten Büchern und so vor unserem Bandraum. Während einer Bandprobe haben wir einmal in diesen Büchern begonnen herumzuwühlen und da tauchte dann ein Buch über Raumfahrten auf. Dann fanden wir darin ein Bild von dieser Lunik 2 oder 3. Sie sah aus, als wäre sie soeben mit Leim und Tesafilm zusammengeklebt worden, also nicht wahnsinnig vertrauenserweckend (lacht). Und dann haben wir die Geschichte gelesen, dass die eine
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der drei Luniks die ersten Fotos der "Dark Side Of The Moon" gemacht hat. Früher haben die Menschen ja immer gedacht: Hinten, auf der anderen Mondseite muss etwas sehr Spezielles sein. Und als dann die Lunik diese Fotos gemacht hat, merkte man, es sieht genau gleich aus wie vorne. Das fanden wir irgendwie lustig und hielten Lunik dann für einen guten Bandnamen, der klingt auch gut.
hitparade.ch: Viele Bands wechseln mehrmals den Bandnamen bis sie sich endgültig festlegen, von Gotthard über Plüsch bis Züri West - war dies bei euch auch der Fall?
Jaël: Die Band hatte früher einen anderen Namen, aber das war noch, bevor ich dazugekommen bin. Als ich 1998 dazu gestossen bin, war der Name Lunik bereits da. Früher hatten sie noch einen anderen Sänger und spielten hauptsächlich Covers und machten Strassenmusik in Frankreich. Damals hiessen sie noch "Gonzo", wenn mich nicht alles täuscht.
hitparade.ch: "Preparing To Leave" lautet der Titel euren neuen Albums - wie können wir diesen interpretieren?
Jaël: Das kann man auf verschiedene Arten interpretieren. Zum einen ist das entstanden, als wir im letzten Jahr sehr viel unterwegs waren in Deutschland und Österreich. Wir waren da einfach ständig unterwegs. Ein ganzes Jahr ging es von Konzert zu Konzert, dann wieder mal drei Tage nach Hause und dann wieder auf Tour
Das kennst du als Musiker in der Schweiz nicht so, da spielt man mal am Wochenende, dann geht's wieder vier Tage nach Hause und dann spielt man wieder zwei Gigs und dann ist wieder zwei Wochen lang nichts
Also das war für uns schon sehr neu, ständig mit dem Nightliner auf Tour zu sein. Dann hiess es wieder: Ah, morgen sind wir in Frankfurt und dann wieder nach Wien
Und irgendwann in einem Hotelzimmer habe ich das so in mein Tagebuch geschrieben: So, jetzt geht's weiter und "Preparing To Leave", und habe mit diesem Titel das Gefühl versucht einzufangen. Es ist ja inzwischen schon fast ein Jahr her, als ich diese Idee hatte, und habe damals natürlich noch nicht entschieden, dass das Album so heisst, es ist einfach so im Kopf geblieben. Ziemlich viel später ist dann dieser Song entstanden "Preparing To Leave", der aber sehr viel mehr ums Leben geht als ums Reisen. Also mehr das Leben als Reise und nicht reisen als Reise (lacht). Leave im Sinne von Weiterkommen im Leben und Sachen und Menschen und Zustände hinter sich zu lassen. Sich aufmachen zu etwas Neuem, wachsen, lernen und sammeln, älter werden und so.
hitparade.ch: Es hat also nichts mit dem "Schweiz verlassen und die Welt erobern" zu tun?
Jaël: Nein, für mich ist es kein Verlassen, mehr ein "sich ausbreiten". Also wir haben sicher nicht vor der Schweiz gänzlich den Rücken zu kehren. Ich bin gerne in Bern und werde es auch noch bleiben.
hitparade.ch: "Little Bit" heisst die erste Single aus dem kommenden Album - entspricht der Stil der ersten Auskoppelung in etwa dem gesamten Fluss des Albums?
Jaël: Nein, eigentlich nicht. Für mich ist "Little Bit" auf dem Album sogar ein ziemlicher Fremdkörper. Aber ein guter. Wir haben jetzt über die letzten beiden Jahre hinweg Songs geschrieben, irgendwann waren es 30, 40 Songs. Die einen waren sehr elektronisch, die anderen sehr rockig, andere waren poppig. Bei Lunik ist es ja immer sehr akustisch, wir sind einfach Musikliebhaber, deswegen entstehen viele verschiedene Sachen. "Little Bit" war jetzt einer der Songs, der eher etwas Up Tempo war und wir auch gedacht haben, der passt auf das Album. Er ist rund, hat aber trotzdem Kanten. Uns hat das gefallen, dass er zum Einen radiogen und catchy als Single ist, zum Anderen aber auch nicht wieder so rund ist wie zum Beispiel "Most Beautiful Song". Mit dem neuen Song haben wir etwas mehr Charakter und auch mehr Kanten gezeigt.
hitparade.ch: Er ist ja in der Schweizer Hitparade schon auf Platz 20 und auf Platz 1 in den iTunes-Charts. Wie sehen diesbezüglich eure Ziele aus?
Jaël: Was, auf Platz eins? Ist ja cool! In Bezug auf die Hitparade habe ich keine Ziele, da habe ich nur Wünsche (lacht). Ich wünsche mir natürlich eine tolle Platzierung, aber schlussendlich habe ich jetzt die Erfahrung mit Lunik gemacht, dass wir nicht eine Band sind, die auf einen Schlag sehr viele Scheiben verkauft, sondern eher verteilt, manchmal noch drei Jahre später an einem Konzert. Und dies ist mir lustigerweise fast lieber, weil das zeichnet die Scheibe ja auch aus, dass sie wirklich saugut ist, wenn sie die Leute über fünf, sechs, sieben Jahre immer wieder kaufen. Für mich ist eine Chartplatzierung daher nicht so wichtig, es ist wichtiger zu sehen, dass es den Leuten gefällt. Und auch zu sehen wie viel man verkauft. Ob das jetzt alles in den ersten Wochen nach der Erscheinung passiert oder nicht, ist mir nicht so wichtig. Aber natürlich ist es lässig, wenn man dann plötzlich in den Charts auf Platz drei und nicht mehr auf Platz zehn ist. Mit dem letzten Album waren wir auf Platz fünf oder sechs, das weiss ich gar nicht mehr, das war cool, und wenn es jetzt wieder in diesem Bereich liegt, ist das natürlich super.
hitparade.ch: Der Musikstil hat sich im Laufe eurer Karriere von Trip Hop immer mehr in Richtung Pop gewandelt, gewisse Parallelen zu Morcheeba sind da auszumachen - wie kam es dazu?
Jaël: Das ist mehr oder weniger einfach so passiert. Wir haben immer das gemacht, was uns gefallen hat, 1998 war es halt ein bisschen elektronischer vom Geschmack her und heute ist es etwas poppiger. Es war nicht so, dass wir irgendwann gesagt haben: So, jetzt machen wir ein Pop-Album! Ausser beim Live-Album war klar, dass wir ein Unplugged-Programm machen und haben es dann aufgenommen. Sonst war es eher eine fliessende Wandlung. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich früher, beim ersten Album, noch keine Songs geschrieben habe, weil ich erst gerade neu dazugekommen bin. Ich bin ein extremer Melodien-Freak, ich liebe Melodien. Ich höre auch viel Folk, also nur Gitarre und Gesang. Dann geht man halt mehr von solchen Sachen aus, als von irgendwelchen elektronischen Klängen. Heute schreibe halt ich die meisten Songs und damit wandelt sich so ein Musikstil einer Band natürlich. Wir haben auch neue Musiker in der Band, die teilweise Jazz-Ausbildungen haben, also wird das ganze auch instrumentalistischer, als wenn man jedes Tönchen programmiert und es mit elektronischen Klängen macht. Es hat viel mit der Besetzung, mit dem Älterwerden und mit dem Geschmack von uns Fünfen zu tun.
hitparade.ch: Spielte vielleicht auch die Hoffnung auf internationalen Erfolg eine Rolle?
Jaël: Ich habe nicht das Gefühl, dass man es wirklich einfacher hat, wenn man konventioneller daherkommt. Das ist in den Ländern wahrscheinlich verschieden. Zum Beispiel in Frankreich muss man nicht mit solcher Musik kommen, die wir machen. Das interessiert die nicht. Ich denke, das wäre der vollkommen falsche Ansatzpunkt Musik zu machen, nur wegen Radioplatzierungen und so. Ich denke, dann ist man eh nur enttäuscht am Ende, wenn man nur deswegen Musik macht. Du kannst dir den Erfolg nicht kaufen. Vielleicht mit viel Geld, aber das haben wir nicht (lacht).
hitparade.ch: Welche Künstler haben euch besonders in den Anfängen inspiriert? Und welche haben heute (noch) einen gewissen Einfluss?
Jaël: Beim ersten Album kann ich es nicht genau sagen, denn dort bin ich singen gegangen und dann wieder nach Hause. Luke hat das Ganze produziert und die Leute, die da waren, waren alles Tüftler und Elektro-Spezis. Da haben wir uns natürlich Björk, Massive Attack, Portishead und all das andere Trip-Hop Zeug aus Grossbritannien angehört. Dann kann es durchaus passieren, dass du denkst: Ups, hab ich diesen Loop nicht vielleicht schon mal bei Portishead gehört? Ich denke es manchmal auch, wenn ich es mir heute anhöre, dass man da stark hört, woher die Inspirationen gekommen sind. Heute versuchen wir viel mehr unseren eigenen Sound zu finden. Und dafür dass wir fünf Leute sind, die alle einen anderen Musikstil cool finden, gibt es ein Mix. Ich kann nicht eine bestimmte Band nennen, denn es gibt natürlich viele Bands, die einen beeinflussen. Aber eigentlich ist es das Ziel den eigenen Stil zu finden und sein eigenes Ding zu machen. Nicht jemanden zu kopieren oder nachzuahmen.
hitparade.ch: Das Album wird auch in Deutschland und Österreich veröffentlicht - welche Resonanz habt ihr bisher aus diesen Ländern erhalten, gerade auch auf die ausgekoppelte Single?
Jaël: Ja, in Deutschland läuft es recht gut, von Österreich habe ich noch nicht so viel gehört. In Deutschland sind wir am Wochenende im ZDF oder ARD, ich weiss es nie, in einer Fernsehsendung gewesen, dann steigt es auch in den Airplay-Charts. Nicht so weit rauf wie in der Schweiz, aber mittlerweile auch in die Top 100 oder so. Dort fängt es früher an, da gibt es irgendwie Top 300 oder so (lacht). Das ist lustig, dann kommt es raus und man hört: Juhu, wir sind in den Top 300, dann sagt man als Schweizer, was Top 300, gibt's sowas überhaupt? Nein, aber es klingt gut, es steigt momentan, und bei den letzten beiden Alben haben wir zweimal Top 40 Airplay-Charts gehabt. Jetzt spielt es erstmal das Fernsehen, VIVA, Deutschland spielt das Video, das haben wir bisher noch nie gehabt. Die Single kommt ja gerade erst jetzt raus, oder ist soeben erst raus gekommen, ich weiss es nicht. Ich denke, in zwei, drei Wochen wissen wir mehr.
hitparade.ch: Welchen Stellenwert hat das neue Album für euch, verglichen mit den Vorgängern, in Anbetracht die Anstrengungen etwas mehr jenseits der Grenzen zu verstärken?
Jaël: Also für mich war bisher immer das aktuelle Album das Wichtigste. Alle Musiker sagen ja immer, ihr aktuelles Album sei das Beste, etwas das sie noch gar nie gemacht hätten usw. Das möchte ich jetzt nicht sagen, aber die Songs, die wir jetzt gemacht haben, liegen mir persönlich auch am nächsten, das ist ja klar, weil ich sie ja nicht vor drei Jahren gemacht habe, sondern vor einem halben Jahr. Ich bin sehr damit zufrieden, es gefällt mir. Und dementsprechend hoffe ich natürlich, dass es den Leuten auch gefällt.
hitparade.ch: Ihr wart ja für die Aufnahmen in Frankreich, warum nicht in der Schweiz?
Jaël: Wir wollten weg von der Schweiz. Wir haben uns gedacht, wenn wir schon ein Album "Preparing To Leave" taufen, soviel unterwegs waren und so viele Songs auch unterwegs entstanden sind, muss das jetzt auch weg sein. Wir haben einen neuen Drummer, deswegen gingen wir auch weg, damit wir unter uns sein konnten. Nicht, dass Jemand am Abend nach den Aufnahmen sagt: So, ich bin jetzt noch verabredet, sondern wir wollten eine Art Lagerstimmung aufkommen lassen um sich kennen zu lernen und um Zeit miteinander zu verbringen. Es war wirklich super dort, wir haben Tischtennisturniere veranstaltet, Spass gehabt, gekocht, gegessen und gefeiert. Und gearbeitet natürlich auch (lacht). Das war sehr gut für diese Scheibe und auch für uns alle. Dass man sich wirklich Zeit nehmen und geniessen kann.
hitparade.ch: In letzter Zeit haben wir etliche Schweizer Künstler, auch aus Bern, interviewt - allesamt Mundartmusiker. Warum habt ihr euch gegen eure Muttersprache und für das Englische entschieden?
Jaël: Wir haben uns nicht gegen die Muttersprache entschieden, aber ich singe einfach gern in Englisch. Wir haben gar nicht darüber nachgedacht, es stand nie zur Diskussion. Ich habe schon als Kind immer nur englische Musik gehört. Der einzige Mundart-Sound, den ich mir früher mal angehört habe, war Mani Matter und später auch Züri West, und es ist zweifelsohne super, was die gemacht haben. Aber für mich war es kein Thema. Ich habe nicht das Bedürfnis, in Mundart zu schreiben. Es kam ganz oft wieder die Frage, als wir damals eine Plattenfirma gesucht haben, hiess es immer: Macht doch das alles in Mundart, das verkauft sich vielleicht besser. Jetzt in Deutschland heisst es: Macht es auf Deutsch, das verkauft sich besser. Und ich fände das ziemlich blöd, nur weil jetzt gerade der Trend so ist. Nur weil Göle vor ein paar Jahren solch einen Erfolg hatte und Plüsch jetzt so viele Scheiben verkauft. Wenn wir jetzt Mundart machen würden, würden alle denken, dass wir ja nur mehr verkaufen möchten. Und das ist einfach nicht die Idee. Die Musik, die ich höre und auch mache ist englisch, ich drücke mich auch gerne so aus.
hitparade.ch: Ihr hattet nebst den Aufnahmen noch andere Sachen, gerade das Aussortieren der Remixes von decibel.dj - Lust oder Last?
Jaël: Das Aussortieren habe nicht ich gemacht, sondern Jakob. Es war sehr viel Arbeit. Es waren drei oder vier CD's voll mit Songs, ich glaube, er hat alle durchgehört. Es war ein ziemlicher Krampf. Es gab viele Songs darauf, die er super fand, aber auch sehr viele Sachen, die er nicht gut fand. Das war, glaube ich, sehr anstrengend. Es ist halt immer schwierig. Ich meine, du machst einen Song und du machst ihn so, wie du ihn hörst. Und dass dann jemand Anderes deinen Song so interpretiert und verändert, dass du dann sagen kannst: So ist er auch gut, das braucht wahnsinnig viel. Du machst ihn schliesslich so, wie du ihn hören willst. Das ist schon schwierig.
hitparade.ch: Im Laufe der Jahre hat sich eure Besetzung ein paar Mal geändert - inwiefern hatte dies Einfluss auf eure Arbeit? Gerade aktuell seid ihr ja zu fünft.
Jaël: Sehr fest natürlich, weil jeder Mensch und jeder Musiker anders ist. Jeder hat eine andere Art sein Instrument zu spielen und hat eine andere Art sich in der Gruppe zu verhalten. Es hat jedes Mal auf jedem erdenklichen Weg riesige Auswirkungen gehabt. Als Band wirft es dich auch mit jedem Mal ein Schrittchen zurück und man muss sich neu eingrooven und wieder zusammenfinden: Wie tönen wir gut? Und ich habe das Gefühl, wir werden immer besser (lacht). Auch durch die Zeit, wir werden immer erfahrener. Luke und ich sind ja seit acht Jahren zusammen am Musik machen, wir sind die einzigen Zwei, die von der Urbesetzung noch übrig sind. Und jetzt spielen wir mit Jakob und Sedi seit drei Jahren und sind mittlerweile super eingespielt. Jetzt haben wir den neuen Drummer, ich find ihn super, er gliedert sich wunderbar ein und er spielt wahnsinnig toll. Es braucht halt einfach immer Zeit um sich zu beschnuppern. Es ist ähnlich wie von Mensch zu Mensch: In der Musik muss man genauso den Weg zueinander finden. Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg.
hitparade.ch: Auf der Homepage, CD-Cover und Pressefotos wird Du als Leadsängerin immer stark in den Vordergrund gerückt - welche Gründe sind hierfür ausschlaggebend?
Jaël: Die Zeit ist das Eine, das Medieninteresse das Andere. Und auch die Schüchternheit meiner Bandjungs. Es war schon sehr früh so bei Lunik, dass man gesagt hat: du bist die Sängerin, das ist dein Job. Luke ist ja eben der Einzige der Urbesetzung, der noch dabei ist und bei ihm ist es noch heute so, dass ich zu ihm sage: Du bist dabei und die Leute wollen etwas hören über die Produktion dieser Platte und ich möchte, dass du ans Interview mitkommst. Dann kommt er auch mit. Aber er macht das nicht gerne. Er steht lieber im Hintergrund und werkelt herum.
hitparade.ch: Du stehst gerne im Vordergrund?
Jaël:Nein, nicht wirklich. Aber ich habe es jetzt gelernt, und Jemand muss es ja machen (lacht).
hitparade.ch: Du hast einige erfolgreiche Duette mit anderen Künstlern aufgenommen. Welche Zusammenarbeit war für dich die Aufregendste, Interessanteste?
Jaël: Das kann ich so nicht sagen. Jede war total anders und jede war auf seine Art wieder super und spannend. Das kann ich nicht werten.
hitparade.ch: Mit wem würdest du gerne in der Zukunft einen Song gemeinsam aufnehmen?
Jaël: Ich weiss jetzt niemanden, bei dem ich sage, da will ich unbedingt einen Song machen. Es gibt viele Leute, mit denen ich es mir vorstellen kann. Ich denke, das ist sehr Song abhängig. Ich bin ja viele Male schon gefragt worden und habe auch vieles abgelehnt, weil ich das Gefühl hatte, die Stimmen passen nicht zusammen, der Song gefällt mir nicht oder der Zeitpunkt ist schlecht. Es gibt immer Gründe. Aber manchmal passt es und dann macht man was. Ich kann es nicht im Voraus sagen, ich werde gefragt, höre es mir an und kann erst dann entscheiden, ob ja oder nein. Oft ist es eine Bauchentscheidung.
hitparade.ch: Wie bei allen anderen auch, kommen wir nun zu den aktuellen Top 10, die du bewerten kannst.
1. Rihanna - Unfaithful
Jaël: Den Song kenn ich nicht.
2. Gnarls Barkley - Crazy
Jaël: Hab ich auch noch nie gehört.
3. Nelly Furtado - Maneater
Jaël: Bei Nelly Furtado find ich schade, dass sie jetzt einen auf R&B macht.
4. Shakira feat. Wyclef Jean - Hips Don't Lie
Jaël: Dieser Song gefällt mir gar nicht. Geschmacksache.
5. Christina Aguilera - Ain't No Other Man
Jaël: Christina Aguilera kenn ich natürlich, das Video zu dem Song hab ich gesehen. Es ist einfach wahnsinnig viel HipHop und R&B Zeugs und ich steh einfach nicht auf so was.
6. La Plage - Coup de boule
Jaël: Das hab ich noch nie gehört!
7. Sergio Mendes feat. The Black Eyed Peas - Más que nada
Jaël: Kenn ich gar nicht. Black Eyed Peas nur vom Namen her.
8. Paris Hilton - Stars Are Blind
Jaël: Kenn ich nur vom Namen her, da kommt man ja nicht drum herum. Ich habe gelesen, dass viele Radiostationen gesagt haben, das werde eh nichts und es auch nicht spielen. Aber sie haben sich wohl getäuscht. Dumm gelaufen.
9. Crazy Frog - We Are The Champions (Ding A Dang Dong)
Jaël: Crazy Frog, ist das dieser Frosch, der Chris Martin letztes Jahr den Platz eins weggeschnappt hat? Kenn ich aber nicht.
10. The Pussycat Dolls feat. Snoop Dogg - Buttons
Jaël: Ist das nicht diese englische Girlband? Keine Ahnung
Und Snoop Dog ist doch dieser Rapper
hmm, ich weiss nicht, wie der Song geht, keine Ahnung.