interview
18.Februar 2010
Eluveitie sind zurzeit omnipräsent. Die Schweizer Folkmetal Band hat kürzlich ihr neues Album "Everything Remains As It Never Was" veröffentlicht und tourt zurzeit in Europa als Headliner. hitparade.ch hat mit Frontmann und Sänger Chrigel Glanzmann gesprochen.
hitparade.ch: Kürzlich ward ihr für ein Konzert an einem Festival in Indien. Wie ist der Sound bei den Indern angekommen?
Chrigel: Das war eine ganz spezielle Erfahrung! Wir fanden die Anfrage schon fast merkwürdig, dass man uns in Indien als Headliner für ein Festival bucht. Dementsprechend hatten wir keine Erwartungen, wie der Sound ankommt. Schlussendlich waren dann etwa 20'000 Leute vor der Bühne, die total ausgerastet sind ab unserem Sound! Es war bombastisch. Die Leute waren richtig in Ekstase. So sehr, dass man das Konzert für 20 Minuten unterbrechen musste, weil Abschrankungen eingerissen wurden, weil die Menschen so außer Rand und Band waren. So eine Stimmung hatten wir
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noch nie erlebt!
hitparade.ch: Wir haben gehört, dass die Sicherheitsmassnahmen an diesem Festival enorm waren. Habt ihr davon etwas mitbekommen und wie war das für euch?
Chrigel: Ja, die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm. Wir konnten zum Beispiel unser Hotel nicht alleine verlassen. Wenn wir raus wollten, standen große Taxis bereit, die uns überall hinchauffierten. An einem Tag haben wir uns dann mal kurz alleine aufs Festivalgeländer getraut, was eine schlechte Idee war. Die Leute erkannten uns sofort und rannten auf uns zu. Sicherheitsleute mussten uns helfen und uns von den Menschen abschirmen. Wenn wir Soundproben hatten wurden wir direkt mit dem Taxi hinter die Bühne gefahren. Dann haben uns 6 Bodyguards und 4 bewaffnete Sicherheitsleute zur Bühne eskortiert. Das war irgendwie bizarr.
hitparade.ch: Wow, das klingt ja fast nach Superstar-Feeling.
Chrigel: Ja, sogar der Weg vom Taxi bis zur Bühne war mit einem roten Teppich ausgelegt. Das war für uns schon irgendwie sehr morbid. *grinst*
hitparade.ch: Möchtet ihr gerne wieder in Indien spielen?
Chrigel: Absolut! Wir möchten unbedingt so bald wie möglich wieder in Indien spielen!
hitparade.ch: Endes des letzten Jahres seid ihr erneut in den USA getourt. Wie war diese Erfahrung und konntet ihr einen Fanzuwachs vermerken?
Chrigel: Es war eine gute Erfahrung. Dieses Mal war es noch ein wenig spezieller, weil wir als erstes Mal als Headliner unterwegs waren. Deswegen waren wir vorab ein wenig nervöser als sonst, weil wir doch schon eine Verantwortung tragen mussten. Aber diese kurze Tour war erfolgreich. Einen Fanzuwachs bemerkten wir auch insofern als dass es für uns als Headliner funktioniert hat.
hitparade.ch: Eure Touren weiten sich von Mal zu Mal aus. Wo geht's als nächstes hin?
Chrigel: Unser Jahresplan ist noch nicht ganz fertig, aber es sieht so aus, als dass wir das ganze Jahr konstant auf Tour sein werden. Im Moment läuft unsere Europatour mit dem Paganfest. Danach werden wir nochmals kurz in die USA und Kanada gehen. In Planung, aber noch nicht bestätigt sind zudem Konzerte in Japan und Australien.
hitparade.ch: Kommen wir auf euer neustes Werk zu sprechen, welches letzte Woche (19.02.10) veröffentlicht wurde. Laut eigenen Aussagen habt ihr für dieses Album soviel geschuftet, wie noch nie zuvor. Was war denn so speziell viel anstrengender?
Chrigel: Eigentlich haben wir für jedes Album soviel geschuftet. Es ist immer wieder das gleiche bei uns. Jedes mal müssen wir in extrem kurzer Zeit sehr viel machen und auf die Beine stellen. Das ist mittlerweile fast schon Standart bei Eluveitie. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir unter Druck am bester arbeiten. Wir haben teilweise wirklich zwei, drei Nächte durchgearbeitet ohne Schlaf mit kurzen Essenspausen zwischendurch. Ich schreibe ja die meistens Songs selber. Es war nicht selten so, dass ich nach einer 30 Stundenschicht morgens um vier Uhr einen Song fertig geschrieben habe und dann gleich vors Mirkofon stand und den eben entstandenen Songs fürs Album einsang. Es war wirklich brutal und eigentlich sagen wir seit unseren ersten Aufnahmen, dass es das nächste Mal nicht mehr so stressig sein soll, aber schlussendlich wird es trotzdem wieder das Selbe. *lacht*
hitparade.ch: Während der Studiozeit war das sicher schlimm und mühsam. Seid ihr nun aber zufrieden mit dem was entstanden ist?
Chrigel: Absolut! Trotz allen Mangelerscheinungen, die das ganze mit sich zog, machen wir diese Arbeit immer noch freiwillig und haben Freude und Spaß daran! Mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden.
hitparade.ch: Das Album klingt wirklich viel düsterer und teilweise härter als das, was man bisher von Eluveitie gewohnt ist. War das von Anfang an so geplant, dass ihr eine härtere Gangart einnehmen wollt?
Chrigel: Jein. Das meiste passiert bei uns natürlich und intuitiv wenn wir im Studio sind. Ein bisschen Bewusstsein war insofern dabei, als dass wir unsere Musik als ernste Musik betrachten. Unsere Texte sind eher melancholisch. In den letzten Jahren wurden wir leider oft von der Presse als Spassband schubladisiert. Von wegen mit Freunden Met trinken und ein bisschen zu Eluveitie schunkeln und headbangen. Das passte uns ganz und gar nicht. Wir nehmen unsere Musik sehr ernst und möchte keinesfalls als pure Spassband betrachtet werden.
hitparade.ch: In einem der Stücke hat Mitglied Thebon (Torbjon Schei) der Norwegischen Black Metal Band Keep Of Kalessin einen Gastpart. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Chrigel: Wir sind seit längerem gut befreunden mit den Norwegern von Keep Of Kalessin. Diese Zusammenarbeit entstand extrem spontan. Als ich meine Gesangspassagen einsang und wir kurz darauf eine kurze Mittagspause machten, meinten die anderen Bandmitglieder, dass Thebons Stimme eigentlich noch gut zu dem Song passen würde. Daraufhin telefonierte ich ihm gleich und er sagte zu. Das ganze entstand also innerhalb von ca 10 Minuten.
hitparade.ch: Ihr seid im Moment gerade unterwegs als Headliner am Paganfest und wie du bereits erwähnt hast, sind weitere Konzerte auf dem ganzen Globus geplant. Darf man dieses Jahr auch mit einem Auftritt von euch an einem Schweizer Festival rechnen?
Chrigel: Ja kann man *grinst* Leider darf ich jetzt noch nichts sagen, da alles noch inoffiziell ist. Wir werden an einigen bekannten und großen Festivals in der Schweiz präsent sein und freuen uns jetzt schon riesig!
interview
10.April 2008
Die Schweizer Pagan/Folk-Metal Band Eluveitie haben es mit ihrem neusten Werk "Slania" auf den guten 35. Platz der Album Charts geschafft und sich sagenhafte fünf Wochen in der Hitparade gehalten. Vergangenen Donnerstag trafen wir die Weibs-und Mannsbilder am Pagan Fest im ausverkauften Z7 und sprachen mit Sänger Chrigel und Bassist Rafi.
hitparade.ch: In knapp 2 Wochen geht's mit der Tour zum ersten Mal nach Amerika. Was denkt ihr wird euch erwarten?
Chrigel: Rauchfreie Hallen *grinst*
Rafi: Also via Myspace haben wir schon ganz viele Kommentare bekommen, dass sich die Fans da riesig auf uns freuen. Das wird ein Fest!
Chrigel: Ja, seit dem letzten Album "Spirit" haben wir eine stetig wachsende Fangemeinde in den Staaten. Booking-Angenturen und auch unsere Plattenfirma sind überzeugt, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist um die USA zu touren, denn der Pagan/Folk-Metal ist da gerade am aufkommen.
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hitparade.ch: Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir ein Interview mit Petri Lindroos von Ensiferum, vor dem Konzert im Gaswerk in Winterthur. Ich habe ihn gefragt, ob er eure Band kennt, da ihr ja schon oft mit ihnen gespielt habt. Er verneinte. Denkt ihr, dass ihm "Eluveitie" mittlerweile ein Begriff ist?
Rafi: Keine Ahnung. Ich habe generell den Eindruck, dass es ihn nicht groß interessiert, was um ihn herum geschieht.
Chrigel: Ja, die ganze Band und vor allem Petri sind sehr in sich gekehrt und ruhig. Wahrscheinlich kennen sie uns mittlerweile schon, aber wir führen jetzt nicht eine direkte Freundschaft, auch wenn wir solange mit ihnen auf Tour sein werden. Wir sind sehr gut mit Korpiklaani und Tyr befreundet, aber die Jungs von Ensiferum sind wirklich totale Einzelgänger.
hitparade.ch: Ergibt sich durch den guten Kontakt zu Korpiklaani allenfalls mal die Möglichkeit in Skandinavien zu spielen?
Rafi: Wir haben so oder so vor in Norden zu spielen, aber das muss nicht zwingend mit Korpiklaani zusammen sein.
Chrigel: Ja, das geschieht dann über unsere Booking-Agenturen. Es ist noch nichts definitiv geplant, aber wir werden sicher bald einmal für ein paar Konzerte nach Skandinavien gehen.
hitparade.ch: Fedi von Cataract hat in unserem Interview erzählt, wie schnell sie als Band Unterstützung aus der internationalen Metalcore-Szene bekommen haben. Habt ihr so was Ähnliches auch erlebt, oder sieht das im Pagan/Folk-Metal Genre anders aus?
Chrigel: Natürlich gibt es immer wieder Leute, die deine Musik mögen und dich versuchen mit allen Möglichkeiten zu unterstützen. Es ist aber nicht so, dass wir von Anfang an guten Kontakt ins Ausland hatten.
Rafi: Die Metalcore-Szene ist da schon ein bisschen anders. Es gibt da sehr viele Idealisten und die Szene ist eher verschmolzen. Im Pagan/Folk Bereich gibt es so was nicht.
hitparade.ch: Auf eurem neuen Album ist auf dem Cover ein kleines blondes Mädchen zu sehen. Wer ist das?
Chrigel: Das ist Slania! *grinst* Das Mädchen heißt Lea Schibler und ist die Tochter eines guten Freundes. Das Shooting mit ihr war gar nicht so einfach. Ihre Eltern sind Fantasy-Fans. Die Kleine ist ca. 3 Jahre alt und kam in rosaroter Montur im Herr der Ringe Stil aufs Set, mit Stirnband und allem drum und dran. Als sie dann die Sachen sah, die sie für das Foto anziehen sollte war sie gar nicht mehr begeistert und wir mussten sie lange überreden, dass sie doch noch für uns posierte. Wir sind dann so verblieben, dass sie nachher noch in ihren rosa Sachen shooten durfte und konnten sie so überzeugen.
hitparade.ch: Eurer Album "Slania" schaffte den Einstieg auf Platz 35 der Schweizer Album Charts. Habt ihr damit gerechnet?
Rafi: Ja, haben wir. Das hat sich schon vorher angebahnt und angekündigt. Dass das Album aber so lange in den Charts war hat uns sehr überrascht.
Chrigel: Ja, wir haben uns von Anfang an gesagt, dass dieses Album in den Charts landen muss und dass wir uns fünf Wochen darin gehalten haben, darauf sind wir Stolz.
Rafi: Ja, das war das Ungewöhnliche und Überraschende. Ich glaube, dass ist sogar die längste Zeit in der sich ein Album einer Schweizer Metal Band in den Charts halten konnte. Celtic Frost oder Samael waren jeweils drei oder vier Wochen drin. Dass wir es fünf Wochen schafften ist natürlich schon geil. *grinst*
hitparade.ch: Wie sehen eure kurz- oder längerfristigen Ziele mit Eluveitie aus?
Rafi: Also ich will unbedingt mal in Japan spielen. Das ist sicher crazy.
Chrigel: Mein Ziel wäre es von der Musik leben zu können. Die meisten von uns arbeiten 100% in einem fixen Job und verwenden einfach die ganzen Ferien um in die Band zu investieren. Das wünsche ich mir zu erreichen in den nächsten ein-zwei Jahren.